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Fest-Zeitung zur Feier des 50jähr. Bestehens der beiden freiwilligen Feuerwehren in Giessen / [Landesverband Hessischer Feuerwehren]
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Unter den Geräten, welche zur Uebung an unſerem Jubelfeſte zur Vorführung kommen, befindet ſich eins, auf das die freiwillige Wehr beſonders ſtolz iſt: auf die zu Anfang des Jahres erworbene große Lieb⸗Schmahl'ſche Drehleiter. Es iſt in der Tat ein Gerät von her⸗ vorragender Zweckmäßigkeit und ebenſo genialer Konſtruktion als ſorg⸗ fältigſter Ausführung, dem man ohne weiteres anſieht, daß es aus wohlerfahrener Hand kommt. Drehleitern haben bekanntlich den charak⸗ teriſtiſchen Vorzug, daß man in einer Straße nur längs dem Gebäude anzufahren braucht und ohne das Fahrzeug zu verändern die Leiter

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ſelbſt auf ihrem Wagen drehen kann und zwar rings im Kreiſe, nach links wie rechts, was den weiteren Vorzug birgt, daß, wenn ein An⸗ griff oder eine Rettung weiter nach der einen oder anderen Seite er⸗ forderlich wird, man ohne Platzveränderung und ohne Zeitverluſt in den meiſten Fällen damit auskommt.

Man ſollte nun freilich meinen, daß ein ſolches Gerät doch ein recht komplizierter Apparat ſei; aber nichts von alledem; ſie iſt ſo ein⸗ fach in allen Teilen diſponiert, daß alle erforderlichen Manipulationen von jedem Feuerwehrmann ſofort verſtanden und ohne Anſtrengung ausgeführt werden können. Betrachten wir ſie in den einzelnen Teilen,

SG LIEBABIBERACN

ſo iſt der zunächſt in Betracht kommende Vorderwagenbau, ganz in Eiſen ausgeführt, ebenſo elegant als namentlich zweckmäßig; nur ein Zug an einem Griff genügt, um die Federung ſowohl als die wegen

des wechſelnden Terrains vorgeſehene ſeitliche Spielung der Vorderräder zuverläſſig feſtzuſtellen.

Der Bau des Drehkranzes iſt zwar äußerlich nicht ſichtbar ein hervorragend ſolider und darauf berechnet, daß auch größere Neigun⸗ gen der Leiter keine Veränderungen am Kranz erzeugen können und die Drehungen ſtets gleich leicht ſich vollziehen laſſen. Sodann iſt eine aufs ſolideſte angeordnete ſeitliche Reguliervorrichtung auf der Dreh⸗ ſcheibe angebracht, wodurch bei ſteigender Straße die Leiter mühelos und ſicher ins Lot geſtellt werden kann. Aufrichtung und Auszug ſind im allgemeinen wie bei allen mechaniſchen Leitern, beide mit Selbſt⸗ hemmung verſehen, die Oberleitern mit vorzüglichen ſelbſttätigen Sperr⸗ fallen, damit im Falle eines Seilbruchs beim Auszug die Leitern nicht zurückſtürtzen können; aber der Konſtrukteur hat hier noch weiter ge⸗ ſorgt, nämlich dafür, daß auch beim Einlaſſen der Leitern ein Seil⸗ bruch nie die Leitern zum Abſtürzen bringen kann, dadurch, daß in

ſolchem Falle an jedem Leiterteil 2 Bolzen zwiſchen die Sproſſen der

nächſtunteren Leiter vorſpringen. Auch dieſe Vorrichtung iſt ſelbſttätig (geſetzlich geſchützt). Endlich iſt noch ein unſcheinbarer Sicherheits⸗ apparat zu erwähnen, nämlich ein ſogenannter Warnungszeiger, der vor zu ſtarker Neigung der ausgezogenen Leiter warnt und verhütet, daß ein Ueberſtürzen der Leiter ſtattfindet. Dabei iſt die Leiter vor allem ſicher, was die Proben bei der ſeinerzeitigen Uebernahme bewieſen. Zie wurde geliefert von der Firma J. G. Lieb in Biberach, die für Gießen übrigens auch noch andere Geräte geliefert hat, z. B. die neuen Schlauchkapſeln mit Zteiligen, durch Getriebe beweglichen Trom⸗

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meln, wodurch das Aufhaſpeln der Schläuche weſentlich erleichtert wird. Zie fahren ſich ſehr bequem. Ferner beſitzt die Feuerwehr Gießen von der genannten Firma einen neuen Sauerſtoffapparat, um in raucher⸗ füllten LCokalen ungehindert vordringen zu können; ſodann den neuen für Acetylithgas umgeänderten Lichtwerfer und eine Anzahl neuer Ber⸗ liner Hakenleitern. Wir haben uns hierzu vom Fabrikanten die Ab⸗ bildungen erbeten, damit ſich unſere Leſer von unſeren Ausführungen ein klares Bild machen können.