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Fest-Zeitung zur Feier des 50jähr. Bestehens der beiden freiwilligen Feuerwehren in Giessen / [Landesverband Hessischer Feuerwehren]
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Das Ffeuerlöſchweſen der Stadt Gießen.

ſtatuts der Ortsfeuerlöſchordnung vom 12. Juli 1892 ge⸗ regelt. An der Spitze des Feuerlöſchweſens ſteht Oberbürger⸗

meiſter Mecum und ihm zur Seite die Kommiſſion für das Feuer⸗

löſchweſen. Die Oberaufſicht übt das Großherzogliche Kreisamt Gießen zur Zeit durch Kreisamtmann Hechler aus.

Die ſtädtiſche Behörde und ganz beſonders Herr Oberbürgermeiſter Mecum bringt der Feuerwehrſache ein lebhaftes und ſtets bereites, ſach verſtändiges Intereſſe entgegen, ſodaß alle berechtigten Wünſche erfüllt werden und die Feuerwehr ſich auf der Höhe der Anforderungen be⸗

wegen kann. Nicht minder macht ſich der Chef des Hauſes Gail, Herr Kommerzienrat Gail, um die von ſeinem Hauſe begründete Frei⸗

willige Gail'ſche Feuerwehr verdient. Er wendet ihr ſtändig das größte Intereſſe zu und geht ihr mit Rat

und Tat allzeit zur Hand. So ſteht

die Gail'ſche Feuerwehr der ſtädtiſchen

in allen Stücken gleichwertig zur Seite.

Die Feuerwehr der Stadt Gie⸗ ßen iſt eine freiwillige und eine Pflichtfeuerwehr; ſie ſetzt ſich zuſammen aus der z. St. 185 Mann ſtarken ſtädtiſchenGießener freiwil⸗ ligen Feuerwehr, mit der 120 Mann ſtarken Pflichtfeuerwehr und aus der 135 Mann ſtarken, davon 99 Mann aktiven Mitgliedern,Frei⸗ willigen Gail'ſchen Feuerwehr.

Die ſtädtiſcheGießener Freiwillige Feuerwehr iſt ſeit vorigem Jahre, ähnlich wie bei den Berufswehren, in Löſchzüge und zwar z. St. in zwei Löſchzüge formiert worden, wobei ein jeder Löſchzug mit großer mechaniſcher Auszugleiter, Rettungswagen, Spritze und Schlauchwagen ausgerüſtet iſt. Die Pflichtfeuerwehr iſt ihr als Pump⸗ und Abſperrmannſchaft zu geteilt.

DieFreiwillige Gai l'ſche Feuerwehr bildet den 3. Zug der ſtädtiſchen Wehr, iſt jedoch ſelbſt⸗ ſtändig und wird von dem Orts⸗ ſtatut nur inſoweit berührt, als ſie in demſelben ausdrücklich erwähnt iſt.

Die geſamte Feuerwehrmann ſchaft alſo einſchließlich derFrei⸗ willigen Gail'ſchen Feuerwehr unterſteht der Aufſicht und dem Kommando eines ſtädtiſchen Brand⸗ direktors, der gleichzeitig die Funk⸗ tionen eines Feuerwehr⸗Inſpektors für den Bezirk der Stadt Gießen N. ausübt.

Das Feuerwehr⸗Depot der ſtäd⸗ tiſchenGießener freiwilligen Feuer⸗ wehr befindet ſich im Turmhauſe am Brandplatze und dasjenige der Freiwilligen Gail'ſchen Feuerwehr in einem Gebäude der Firma G. Ph. Gail in der Sandgaſſe. Zu Uebungen und Bränden ſtehen der Feuerwehr z. St. 270 Stück öffentliche und zirka 36 Stück Privat⸗ hydranten zur Verfügung. Sobald die umfangreiche Kanaliſation in der Stadt durchgeführt ſein wird, ſoll eine der Meuzeit entſprechende elektriſche Alarmeinrichtung hergeſtellt werden, ſodaß alsdann Gießen auch in dieſer Hinſicht in die Reihe der modern eingerichteten Städte ſich einreihen und als Provinzialhauptſtadt vorbildlich ſein wird. An Sicherheitswachen ſtellt die ſtädtiſcheGießener freiwillige Feuerwehr in jedem Jahre von Anfang April bis Ende Oktober an den Sonn⸗ und Feiertagen je von nachmittags 3 Uhr bis abends 9 Uhr eine Brandwache im Turmhauſe am Brandplatze in der Stärke von 1 Führer und 5 Feuerwehrmännern, außerdem werden in der Theater ſaiſon für jede Theatervorſtellung I Führer und 8 Feuerwehrmänner kommandiert, wie auch andere Wachen in verſchiedener Mannſchafts⸗ ſtärke für Maskenbälle und ſonſtige Vereinsfeſtlichkeiten oder öffentliche Schauſtellungen in beträchtlicher Anzahl geſtellt.

Die Kommandos der beiden freiwilligen Feuerwehren ſetzen ſich z. St. zuſammen wie folgt:

a) StädtiſcheGießener freiwillige Feuerwehr: Franz Wigandt, Brandinſpektor,

as Feuerlöſchweſen der Stadt Gießen iſt auf Grund eines Orts

der Doſjſe Lroitektor der 9 Ereiwilligsi Eeuätweffen Ieſſs. ff

Louis Faber, Brandmeiſter des I. Löſchzuges, Auguſt Dickors, Brandmeeiſter des 2. Löſchzuges, Adolf Bourgeois, Schriftführer und Adjutant des Brand⸗ inſpektors, Wilhelm Riebel, Rechner, GHeugwart und Adjutant des Branddirektors. b)Freiwillige Gail'ſche Feuerwehr: Heinrich Lindenſtruth, 1. Hanptmann, Heinrich Sauer, 2. Hauptmann, Karl Wenzel, Schriftführer und Adjutant, Robert Sattler, Rechner. Das Oberkommando über die geſamte Feuerwehr führt L. Traber, ſtädtiſcher Branddirektor.. Zum Schluß darf nicht unerwähnt gelaſſen werden, daß beide

freiwillige Feuerwehrkorps, trotz der noch beſtehenden umſtändlichen

Alarmierung durch Turmgglocke und Feuerwehrſignaliſten, ſtets bei Brän⸗ den raſch zur Hand geweſen ſind und bis jetzt große Brände nicht aufkommen ließen. Wacker und

ſchwierige Arbeit heran und ver⸗ dienen zu ihrem Jubiläumstage mit vollem Rechte und mehr als vieles andere den Dank der Allgemein⸗ heit, der ihnen auch durch die Be⸗ tätigung zur Mitarbeit an den Vor⸗ bereitungen zu ihrem Jubiläums⸗ feſte von der Behörde und Bürger⸗ ſchaft entgegen gebracht wird.

Gott zur Ehr, dem Nächſten zur Wehr.

Einer für Alle, Alle für Sinen.

Dieſe Wahlſprüche mögen auch fernerhin die Mannſchaften und Führer beider freiwilligen Feuer⸗ wehren zieren zum Anſehen und Segen unſerer lieben Stadt Gießen.

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Zur Gründungsgelchichte der Gießener freiwilligen Feuerwehr.

Nach Akten der Großh. Bürgermeiſterei Gießen.

ie aus Anlaß des 16. Ver⸗

bandsfeſtes heſſiſcher frei⸗ williger Feuerwehren in Gießen am 18., 19. und 20. Auguſt 1894 von Dr. Carl Naumann verfaßte Feſtſchrift enthält zwar auf S. 62 und 65 auch einiges über die Gründung der Gießener frei⸗ willigen Feuerwehr, da aber, wohl infolge der Stürme des Jahres 1882, die alten Protokolle und auch ein Teil des Rechnungsbuches der frei⸗ willigen Feuerwehr abhanden gekommen ſind, ſo diene die folgende Darſtellung auf Grund der vom ſtädtiſchen Archivar Herrn Dr. Carl Sbel gütigſt zur Verfügung geſtellten Akten als vielleicht nicht unwill⸗ kommene Ergänzung.

Am 8. Mai 1855 erließ das Kreisamt an die Bürgermeiſterei eine Verfügung, in der gerügt wurde, daß bei dem am ſelben Tage ſtattgehabten Brande an der Sauerbierſchen Mühle ¹) die Spritzen⸗ apparate z. T. in ſehr ſchlechtem Zuſtande ſeien, namentlich ſeien die beiden Schläuche an der Spritze Nr. 5 beim Gebrauch ſogleich geſprungen, weshalb dieſelben alsbald ſofort gründlich repariert werden mußten; auch ſeien die Spritzenmeiſter zur ſtrengen Beobachtung ihrer Obliegen⸗ heiten aufzufordern.

Die daraufhin geladenen Spritzenmeiſter gaben an, ſie hätten keine

Inſtruktion und ſolle man dafür beſorgt ſein, eine ſolche anfertigen zu laſſen.

Was die Schläuche anlange, ſo ſeien ſie eben ſchon zu alt und mürbe und wenn ſie auch repariert wären, ſo würden ſie doch bei dem

¹) Dem jetzigen Elektrizitätswerk.

mutig traten ſie ſtets an ihre oft

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