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Stärke und Zusammensetzung der Studentenschaft in der Frühzeit der Universität Giessen (1607-1624) / Wilhelm Martin Becker
Entstehung
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Wilhelm Martin Becker, Studentenſchaft in Gießen. 57

Dreihundert Jahre ſind es jetzt her, daß Landgraf Ludwig V. von Helſen-Darmitadt ſich die Selbſtändigkeit leines Univerſitätsweſens erkämpfte, daß mit allen Mitteln politiſcher Klugheit ein diplomatiſcher Feldzug geführt wurde, der ihn in den Beſitz der koſtbaren Urkunde ſetzen ſollte, wodurch er 1607 lein Gießener Gymnalium illuſtre in eine vollberechtigte Univerſität verwandelte. So mag in dieſem Jahre auch hier von jener Anfangszeit der Landesuniverſität die Rede ſein, die lich einer ſchärferen Betrachtung als ihre erſte Blütezeit darſtellt. Freilich iſt diele Blüte durch den Krieg bald entblättert worden.

Ich möchte hier auf eine Seite der Betrachtung aka- demiſchen Lebens den Blick lenken, die bisher nicht in genügender Weiſe beachtet worden ift, nämlich auf die Frage nach Stärke und Zuſammenſetzung der Studentenſchaft, eine Frage, worüber noch bis vor kurzem für die meiſten Hochſchulen jener Zeit keine klare Vorſtellung herrſchte. Dieſe Unklarheit hängt zum guten Teil damit zuſammen, daß die Matrikeln vieler Hochſchulen nicht veröffentlicht ſind; bilden doch die Univerſitätsmatrikeln für Unterſuchungen dieſer und mancher anderen Art die wichtigſte Quelle. Die perſonengeſchichtliche Wichtigkeit der Matrikelaufzeichnungen, die ſie für genealogiſche Unterſuchungen ganz unentbehrlich macht, hat man längſt erkannt. Nun hat man aber in neuerer Zeit auch begonnen, die Matrikeln in anderer Hinſicht aus- zubeuten, nämlich zu ſtatiſtilchen Unterluchungen: vor allem galt es hier, aus der Zahl der immatrikulierten Studenten die Frequenz der betreffenden Hochſchule zu ermitteln. Ich brauche hier nicht weiter auszuführen, in wie fruchtbarer Weile lich beim Vergleich verſchiedener Zeiträume derſelben Hochlchule, wie beim Vergleich verſchiedener Hochichulen im gleichen Zeitraume die Bedeutung der Einzeluniverſität für die Befriedigung des Bildungsbedürfniſſes der Nation