12. Heute ist heute.
V. E. Becker
1. Was die Welt morgen bringt, ob sie mir Sorgen bringt, Leid oder Freud?ꝰ Komme, was kommen mag, Sonnenschein, Wetterschlag, morgen ist auch ein Tag, heute ist heut!:;:
2. Wenn's dem Geschick gefällt, sind wir in alle Welt morgen zerstreut! Drum lasst uns lustig sein! Wirt, roll das Fass herein! Mädel, schenk ein! Heute ist heut!
3. Ob ihren Rosenmund morgen schön fildegund an- deren beut— darnach ich nimmer frag, das schafft mir keine Plag, wenn sie mich heut nur mag— heute ist heut!
4. Kling, klang, stosst an und singt! Morgen vielleicht erklingt Sterbegeläut! Wer weiss, ob nicht die Welt morgen in Schutt zerfällt! Wenn sie nur heut noch hält! Feute ist heut!
Rud. Baumbach. 1882
13. Gold und Silber hätt' ich gern.
1. Gold und Silber lieb ich sehr, kann's auch gut ge— brauchen; hätt' ich nur ein ganzes Meer, mich hinein zu tauchen;'s braucht nicht gleich geprägt zu sein, hab's auch so ganz gerne, sei's des Mondes Silberschein, sei's das Gold der Sterne.
2. Doch viel schöner ist das Gold, das vom Locken-— köpfchen meines Liebchens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen. Darum, du mein süsses Kind, lass dich herzen, küssen, bis die Locken silbern sind und wir scheiden müssen!
3. Seht, wie blinkt der goldne Wein hier in meinem Becher! Horcht, wie klingt so silberrein froher Sang der Zecher! Dass die Zeit einst golden war, will ich nicht be- streiten; denk ich doch im Silberhaar gern vergangner Zeiten.
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