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Ein Gießener Depositionsschein von 1773 / Otto Imgart
Entstehung
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Sehr üblich iſt es und ein ſeit langem Gedenken erprobter Brauch, daß man in die akademiſche Geſellſchaft durch gewiſſe beſtimmte Bräuche eingeweiht wird, unter denen die Depoſition an erſter Stelle ſteht, wodurch in dieſer Weihefeier dieNeu⸗ linge[= Neuimmatrikulierten] in der Vorhalle geübt werden, um in das akademiſche Triennium deſto geläuterter und ver⸗ feinerter eingelaſſen zu werden. Die Neuzukommenden ſollen vor⸗ bereitet und ermahnt werden, ihre Studien nicht mit Lüſten und Vergnügungen zu beginnen und zu beenden, ſondern daß die erſten Unfänge hart ſind, die Mitte bitter, nur das Ende froh. Nicht ohne Berechnung wurde dieſer Akt und Brauch von den Vorfahren eingerichtet, der von den Athenern durch lange Zeiten in einem langen Wege uns überkommen iſt. Zu Athen, dem Paradieſe Griechenlands, haben die erſten Depoſitoren ihren An⸗ fang genommen und ſind von den eerſten Anfängen aperkannt worden, ſpäter wanderten ſie nach Italien, von dort nach un⸗ ſerem Deutſchland hinüber. Wäre jener Brauch der Depoſition alſo lediglich durch ſein Alter der Verehrung wert, könnte er dennoch ſicher verteidigt werden gegen gewiſſe Haſſer und Spötter, die mit ihrem Sezeter ihn verſchreien und von der Univerſität ächten wollen; denn er iſt eine Vorübung, ein Vorſpiel auf die ernſten Wortgefechte der Wiſſenſchaft. So wurde verdientermaßen einſt der Skuthe Anacharſis, als er über die atheniſchen Jünglinge, die untereinander rangen und mit Apfeln und Kränzen belohnt wurden, nach Barbarenweiſe lachte, von Solon, dem weiſeſten Griechen ſeines Zeitalters, um den zu hören er nach Athen ge⸗ kommen war, ermahnt, daß ſolche kurzweiligen UÜbungen der Jugend nicht auszulachen ſeien, durch die die Behenden und die nach Tugenden und Lob ſtrebenden Gemüter zu Höherem ange⸗ trieben würden. Man findet auch heute viele, die unter Nach⸗ ahmung des Anacharſis dieſe akademiſche Einrichtung als klein lich tadeln. Was Solon dem Skuthen antwortete, das gilt auch für uns; denn der weiſe Mann beſtätigte das Anſehen der alten feierlichen Spiele aus dem alten Brauche heraus und wollte nicht, daß die alten Grenzen der Sitten verrückt würd⸗n. Das tun auch wir, aus Ehrfurcht vor der akademiſchen alten Tradition, die uns jenen Brauch der Depoſition überliefert und empfohlen hat. Bei einer jeden Sache finden ſich einweihende Bräuche. Binde linful] und Stab werden dem Biſchofe gegeben als wahr⸗ lich minder anſchauliche Abzeichen der höchſten Würde. Es wagten Gregor von Nazianz und Baſilius nicht, ſich dem altehrwürdigen Brauch in Athen zu widerſetzen. Auch nicht widerſetzt hat ſich dieſem löblichen Brauch: Herr Johann Daniel Bernbeck von