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selbst herantritt, den Wert der eigenen Schau betont und damit ein Zeit- alter der Forschung wieder einleitet. Ferner ersieht man an diesen Aus- führungen die Muße, mit der man damals seine Aufgaben unternahm, aber auch die Liebe und Sorgfalt, die man auf die äußere Form zu verwenden pflegte. Schließlich kann ich aber mich beim Lesen solcher Aufforderungen des Eindruckes der Reklame nicht erwehren; gewiß der Reklame für einen guten Zweck! Jedenfalls geht aber aus ihnen hervor, daß die Kunst des Reklamemachens auch damals schon verstanden worden ist und nicht erst in der modernen Zeit erfunden wurde.
Die erwähnten Sektionen im 17. und 18. Jahrhundert waren vom Anatomen und wohl vor allem von normalanatomischen Gesichtspunkten aus vorgenommen worden. Zweifellos waren aber die Sekanten gleich- zeitig pathologisch-anatomisch eingestellt. So beschreibt J. Dan. Horst unter anderem im Buche IV seiner„Observationes“ die Obduktion„eines an Leberscirrhus(Jecur scirrhosum) gestorbenen Skorbutkranken“. Wie Herr Kollege Rudolf Herzog im Fakultätsbuch fand, betraf weiterhin eine der öffentlichen Sektionen dieser Zeit eine„ausnehmend monströse“ Mißgeburt. Und der damalige Landesherr Landgraf Georg II. ordnete 1655 die Sektion des einjährigen an„Hydrops“ verstorbenen Kindes des nach- maligen Landgrafen Ludwig VI. an. Alles Anzeichen dafür, daß in dieser Zeit Verständnis für pathologische Anatomie und eine gewisse Lehre in pathologischer Anatomie bereits vorhanden war.
Vom Jahre 1800 etwa ab erkennt man aus den Vorlesungsverzeich- nissen einen festeren Lehrplan des ärztlichen Unterrichtes. Von da an datiert auch die zweite mehr systematische Unterrichtsperiode in patho- logischer Anatomie. Der Vorlesungskatalog von 1810 zeigt Unterricht im Sezieren an, der rasch weiter ausgebildet wurde; 1821 ist er bereits 4stündig. Die pathologisch-anatomischen Vorlesungen und Kurse wurden aber in dieser Periode noch mehr nebenamtlich, und zwar meist von Klinikern gehalten. Nachdem die Lehrer vorher unregelmäßig gewechselt hatten, kündigen 1833 bis 1839 Franz Josef Julius Wilbrand(zuerst Assistent am Chirurgischen Hospital, ab 1843 Professor der gerichtlichen Medizin und Hygiene), 1839— 1856 Adolf Wernher(im Hauptamt 1837— 1878 Direktor der Chirurgischen Klinik), 1855— 1871 Alexander Winther regelmäbig pathologisch-anatomische Vorlesungen an. Vom Jahre 1849— 1853 hat sich auch Vogel, der Direktor der Medizinischen Klinik, an der Abhaltung des pathologisch-anatomischen Unterrichtes beteiligt; Vogel hatte, wie ich einer Mitteilung unseres Schriftführers Gg. B. Gruber entnehme, vor seiner Gießener Amtszeit an der Universität Göttingen als Assistent des dortigen Physiologen Wagner den offiziellen Auftrag gehabt, die pathologische Ana- tomie in Vorweisungen und Sektionsübungen zu lehren.
Besonders verdient um die pathologische Anatomie und speziell um die Errichtung einer pathologisch-anatomischen Sammlung zu Gieben hat sich Wernher gemacht, von dem noch jetzt eine größere Anzahl guter, selbst etikettierter Präparate erhalten ist. 1856 wurde er von der Nominal- professur der pathologischen Anatomie entbunden, gab jedoch die Aufsicht über das pathologisch-anatomische„Kabinett“ erst 1872 ab, als ein Fach- pathologe berufen wurde. Die pathologisch-anatomische Sammlung war damals offenbar noch viel mehr wie heute das Fundament der Institute. So lesen wir, daß beim Umbau der Anatomie 1812—1813 die Sammlungen für pathologische und vergleichende Anatomie neu eingerichtet wurden. 1836 wurde von der Gießener Universität das große„Museum“ des bekannten Geheimrats von Soemmerring(zuerst Kassel, zuletzt Frankfurt a. M.),


