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Gießener Wingolf : Kommers-Lieder, Festlieder zum 75. Stiftungsfest
Entstehung
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11. Heil dir, Gießen an der Lahn!

1. Gießen, deine Muſenſöhne ſingen dir ein Jubellied! daß es uns die Sukunft ſchöne, bleibt dein Bild uns im Gemüt. Sünden, die wir nie bereuten, trauen uns dir ewig an, Gießen, Stadt der Jugendfreuden, ſchönes Gießen an der Lahn.

2. Deine häuſer, deine Rneipen ſind das heim der Poeſie und zum Salamanderreiben fehlt's an Stammquartieren nie. Fragt ihr mich nach alten Gaſſen? Geht nur hin und ſeht euch um! Selbſt die allerneuſten Straßen ſchienen wir biswei⸗ len krumm.

3. Zu des Gleibergs ſatter Grüne lockte uns der Maien⸗ tag! und des Staufenbergs Ruine ſah manch frohes Sechgelag. Wo der Mönch ſtatt vor dem Liebchen vor dem Kreuz ſich einſt verbeugt, Schiffenberg, dein Söllerſtübchen fand ich manch⸗ mal gar zu feucht.

4. Selbſt die Lahn, des Rheines Schweſter, iſt umhaucht vom Burſchengeiſt; nimmer dulden wir Geläſter, wenn uns wer den Reckar preiſt. Durch das Wehr der alten Mühle zog der Fuchs den Kahn hindurch, und im Bowlenvorgefühle rudert er zur Badenburg.

5. Deine Mädchen, ſchönes Gießen, ſcheinen zwar von außen kalt, doch ein andres Lied von dieſen rauſcht der Philo⸗ ſophenwald. Selig in des Klubſaals Tiefen ſchwang der Fuchs ſein Mädel rum, nur die alten Inaktiven tranken lieber einen um.

6. Uch wie mußt das Blatt ſich wenden, wo herr Goethe ſcheltend ſpricht:Dieſe Gießener Studenten raufen, doch ſtu⸗ dieren nicht. Säh er heut Student und Spießer, nimmer wahrlich ſpräch er hHohn, denn ein echter, rechterGießer liebt den flotten Muſenſohn.

7. Alſo dichtet ein Philiſter, nimmt ſein ſchwarz⸗weiß⸗ goldnes Band, Praxis, Weib und Kind vergißt er, fährt hinauf ins heſſenland, ſetzt ſich nieder zu den Jungen, ſtimmt den Jubelkantus an, und im Jubel iſt's verklungen:heil dir, Gießen an der Lahn.

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