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Einiges aus der Geschichte der Zoologie in Gießen / Herr Prof. W. J. Schmidt
Entstehung
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Ansprachen. 27

zu SPENGEL als Assistent und habilierte sich noch im gleichen Jahre mit einer Abhandlung über die Stammesgeschichte der Holothurien; diese überrascht ebensosehr durch die Beherrschung des ausgedehnten Schrifttums wie durch die umsichtige Erwägung der gesamten Organisation zur Erklärung der Phylogenie.

So wertvoll uns diese und andere morphologische Arbeiten BECHERS über die Stachelhäuter sind, seine Eigenart tritt erst in den Studien über die Optik der Echinodermenskelettstücke zutage: Ermittelung der Lage der optischen Achse in zahlreichen Skeletteilen, Deutung der gelegentlich vorkommenden optischen Störungen, Versuch einer Erklärung der geregelten Beziehung zwischen der Lage der optischen Achse und der Konfiguration des Skelettstückes, Verwertung dieses Zusammenhangs zur morpholo- gischen Analyse des Skelettes das sind die Hauptpunkte. Bedenkt man, daß BEoHER zugleich ein neues und elegantes Verfahren zur Bestimmung der Lage der optischen Achse in größeren Skelett- stücken ersann, daß er zeigte, wie solche Skelettstücke als»Zer- streuungspolarisatoren dienen können, daß er den bis dahin fast unbeachtet gebliebenen Astigmatismus des Tubusanalysators, der eine beträchtliche Bildverschlechterung im Polarisationsmikroskop nach sich zieht, erkannte und alsbald den prinzipiellen Weg zu seiner Beseitigung wies, so formt sich ein Bild von dem Reichtum seiner Gaben. Mit derselben Leichtigkeit und tiefeindringenden Gründlichkeit meisterte BEcHER auch die entwicklungsphy- siologischen Probleme, die ihm bei der Analyse der Be- ziehungen zwischen Form und Lage von Anker und Anker- platten der Synaptiden entgegentraten; und so sehen wir den- selben Forscher, der in den subtilsten optischen Gedankengängen zuhause war, auch in der Front der Entwicklungsmechaniker.

Inzwischen hatte BEcHER einen Ruf als Ordinarius nach Rostock erhalten, wo er von 1914 bis 1921 blieb. Neben der Vol- lendung der optischen Arbeiten fesselt ihn hier das Problem licht-(und balsam-)echter Kernfärbungen. Als brauchbar erwiesen sich insbesondere die Oxyanthrachinone und Naphtho- chinone, die BEcHER in geeignete Lösung zu bringen verstand. Alsbald mit dem nôtigen chemischen Rüstzeug gewappnet, gibt er eine Erklärung des Färbevorganges mit diesen Stoffen: Der Farbstoff liefert mit dem Metall der Beize(z. B. Aluminium) eine lösliche Verbindung égelöster Farblack«), die, nach Ionisierung basisch wirkend, sich chemisch adsorptiv an die sauren Nukleo- proteide kettet(1921).