Ansprachen. 23
ScHNEIDER 1855 studienhalber nach Norwegen begleitet; bei der Rückkehr von Christansand ereignete sich der verhängnisvolle Schiffbruch auf der Nordsee, der ScHNEIDER und JoHANNES MörLER stundenlangem Kampf mit den Wogen preisgab, bis sie schließlich gerettet wurden, während der dritte Reisegenosse versank.— SoHNEIDER habilierte sich 1855 in Berlin für Zoologie und war zugleich Kustos am Zoologischen Museum; in Gießen blieb er bis 1881; dann übernahm er den Lehrstuhl in Breslau; dort starb er 1890.
ScHNEIDER hat insgesamt etwa 50 Arbeiten über Systematik, Anatomie, Entwicklungsgeschichte und Histologie von Wirbel- losen und Wirbeltieren veröffentlicht; vor allem bekannt ge- worden ist er durch seine noch aus der Berliner Zeit stammende Monographie der Nematoden. In Gießen verfaßte er u. a. die „Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Wirbel- tiere« und hier sah er als erster 1873 am Ei von Mesostomum ehren- bergii die Hauptstadien der Mitose. An ScHNEIDERS Namen also knüpft sich die»erste vollgültige Entdeckung der Kern- metamorphose« bei der indirekten Zellteilung, um mich der Worte W. FLEMMINGS zu bedienen. ScHNEIDERS Vortrag wird im Nach- ruf von G. LiMPRICHT als fesselnd, ja hinreißend bezeichnet; schriftlicher Darlegung war er eher abhold.
Nach ScHNEIDER folgte auf dem Gießener Lehrstuhl für Zoologie HuUBERT LoDwIG, der 1852 in Trier geboren, seit 1871 in Würzburg zuerst Medizin, dann unter C. SEMPER Zoologie studiert hatte und dort 1874 zum Doktor phil. promoviert wurde auf Grund einer Arbeit über die Eibildung im Tierreich. 1875 habi- litierte sich LopwiG bei EHLERS in Göttingen für Zoologie und 1878 wurde er Direktor der Städtischen Sammlungen für Natur- geschichte und Ethnographie in Bremen. Von dort siedelte er 29jährig nach Gießen über, wo er von 1881 bis 1887 blieb, um dann die Leitung des Zoologischen Institutes in Bonn zu übernehmen, bis zu seinem Tode im Jahre 1913.
Lopwids Name ist in unserer Wissenschaft für alle Zeit ver- knüpft mit der Erforschung der Morphologie und Systematik der Stachelhäuter. Dieser Tiergruppe war er durch seinen Lehrer SEMPER nahegekommen und ihr blieb er sein Leben lang treu— mit einer Art Starrsinn, wie SpENGEL im Nachruf auf den Freund sagt. In diesem Rahmen hat Lupwic Hervorragendes geleistet: zäh in der Arbeit und ein begnadeter Beobachter, von einem aus-


