Ansprachen. 241
Institute bezogen, stand der Zoologie der 1. Stock ganz zur Ver- fügung zugleich mit dem hier befindlichen Hörsaal, den sie bis dahin mit der Physiologie teilte. Im Erdgeschoß verblieb das Anatomische Institut und so ist es noch heute.
Mit RUDOLF LEUCKART, der somit als Begründer des hiesigen Zoologischen Institutes gelten kann, hatte Gießen einen Lehrer von Gottes Gnaden, einen Forscher, der Weltruhm erringen sollte, nächst LIEBIG den bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Universität erhalten.
In den 19 Jahren seiner hiesigen Tätigkeit veröffentlichte LEUCKART etwa 100 Arbeiten.
Ich erinnere zunächst an die»Blasenbandwürmer und ihre Entwicklung«(1856), in deren Vorwort der Verfasser mit Recht den Anspruch erhebt: Unsere heutige Helminthologie ist dazu berufen, in der Geschichte der Gesundheitspflege ein Rolle zu spielen, wie sie bisher noch keinem anderen Zweige unserer Zoologie zuteil geworden ist«; aber zugleich betont er, daß seine Absicht zunächst eine rein wissenschaftliche war, und, wenn es gelang, die Naturgeschichte der Bandwürmer vollständiger zu erforschen als vorher, so wird, fährt er fort,»das gewiß auch so für die Praxis nicht verloren seinç.
1852 erscheint von C. BERGMANN, Professor der Physiologie in Göttingen, und R. LEUckARr die»Anatomisch-physiologische Übersicht des Thierreichs«; hier werden Morphologie und Ent- wicklungsgeschichte mit physiologischem Geiste erfüllt. Dieses Buch reicht in seinen Anfängen noch in die Göttinger Zeiten zurück, da LEUokARr mit BERGMANN zusammen war; LEUCKARTS Anteil sind vor allem die Abschnitte über die Wirbellosen. Noch heute fesselt das Werk den Leser: staunend erwägt er den Um- fang und die Sicherheit der Kenntnisse des jungen LEUCKkART, das Vorstoßen zu den allgemeinsten und letzten Fragen, die schlichte, jedem Gebildeten verständliche, fast plaudernde und doch kunstvolle Art der Darstellung. Bei manchem tüchtigen Zoologen hätte solche Leistung die Kraft eines ganzen Lebens beansprucht; bei BEROMANN und LEUCKART erscheint sie wie ein glücklicher Wurf.
LEUCKARTS zahlreiche Gießener Untersuchungen über die Fortpflanzung der Insekten(Parthenogenese, Pädogenese, Ge- nerationswechsel), die bei den Bienen auch wertvolle Einsichten


