Ansprachen. 19
Es ist noch heute von Interesse, den Bericht zu lesen, in dem CaRr VoGor der hessischen Regierung diese trostlosen Verhältnisse schildert und die Aufgaben und Ziele der Zoolo- gie an einer Universität entwickelt: Die Sammlung soll dem Zwecke des Unterrichts dienen, daher nicht nach systemati- scher Vollständigkeit streben, wohl aber Typen der wichtigen Tiergruppen aufweisen; die einheimische Tierwelt jedoch soll reichlich vertreten sein, vor allem— im Hinblick auf den Unterricht der Mediziner und Forstleute— die Parasiten und Schädlinge mitsamt ihrem ökologischen Milieu. Die Vor- lesungen— Vodr hatte etwa 20 Hörer— müssen an Hand von Objekten gehalten werden und daher soll das Kabinet in Ver- bindung mit dem Hörsaal sein. Solche Aufgaben erfordern technische Hilfskräfte; daß der Präparator zugleich die patho- logische und mineralogische Sammlung betreut und der Zoolo- gie nur für wenige Stunden in der Woche zur Verfügung steht, erscheint unhaltbar; auch ein Gehilfe für die Verrichtung der einfacheren Arbeiten ist erforderlich.
Die Regierung richtete VoGdr einen Hörsaal beim Zoologi- schen Kabinet in der auf dem Brandplatz gelegenen yalten AnatomieKl ein, für den er freilich Tische und Stühle zunächst leihen mußte; sie erhöhte weiter die Haushaltssumme für die Zoologie und stellte auch Mittel zum Ankauf von Sammlungs- gegenständen bereit. VoGr, der durch seine eigenen Studien ein lebhaftes Interesse für die Tierwelt vergangener Erdepochen hatte, regte auch an, die palaeontologische Sammlung, die da- mals mit der mineralogischen vereint war, dem Leiter des Zoologischen Kabinets zu unterstellen; und im Entwurf eines darauf bezüglichen Schreibens unter dem 27. Juli 1847 von VoGrs Hand fand ich den Satz, man könne doch die fossilen Tiere nicht deshalb unter die Steine rechnen, weil sie vor einigen tausend Jahren gelebt hätten.
Von einem so kraftvollen und kenntnisreichen Manne wie C. Vodg, einem begabten und begeisterten Lehrer, wie seine volks- tümlichen Schriften erkennen lassen, der gewillt war, der Zoologie an der Universität Gießen die gebührende Stellung zu erkämpfen, hätte man für die Enfaltung unseres Faches großes erwarten können. Aber seine hiesige Tätigkeit fand ein jähes Ende, da er,
1 Diese wurde in den Jahren 1700- 1720 zusammen mit einem Tanzsaal und Fruchtboden erbaut.
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