2. Wenn ich einmal der Herrgott wär', mein zweites wäre das: Ich nähme meine Allmacht her und ſchüf' ein großes Glas, ein Glas, ſo hoch als wie der Mond und wie die Erde rund, ſ: daß auch des Trinkens ſich's ver⸗ lohnt, ſetzt ich es an den Mund. J
3. Wenn ich einmal der herrgott wär', mein drittes wäre das: Ich nähme meine Allmacht her, tränk täglich ſo ein Maß. O welche Wonne wäre nun in ſolchem 3ug und Druck, da könnt' man doch ſich gütlich tun an einem tücht'gen Schluck.
4. Und hätt' ich nach ſo manchem Tag das Saß ſo rein gefegt, daß ſich bei noch ſo derbem Schlag kein Tröpfchen mehr drin regt, dann würf ich auf die Kniee mich und fing laut an zu ſchrein:„Laß mich, o Gott, ich bitte Dich, noch einmal hergott ſein.“ Ed. Amthor. 1841.
61. Wenn im Purpurſchein blinkt der wilde Wein⸗ Weiſe von Franz Abt. 1878.
1. Wenn im purpurſchein blinkt der wilde Wein und am Bach die Weide ſteht bereift, wenn die Zeitloſ' blüht, wenn die Droſſel zieht und ihr Scheidelied vom Schlehdorn pfeift.
2. Wenn in Wald und Feld laut der Bracke bellt und das ſchlanbe Reh verbluten muß, wenn die Haſelmaus in ihr Winterhaus ſchleppt die allerletzte Buchennuß:
3. Dann ade, ihr Selder, Berge, Söhrenwälder, l: Pfarrer, Förſter, Schultheiß, Müller, Bäck! JI hab das Wandern ſatt, ziehe nach der Stadt, wo der Roland ſteht am Rat⸗ hauseck. Blondes Gretelein, laß das Trauern ſein! Mit den Schwalben komm' ich wieder her; ſollt ich ſterben eh'r, weine nicht ſo ſehr, l: weil es ſchad' um deine Neuglein wär'. Rudolf Baumbach.
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