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Darmstädter Liederbuch : herausgegeben anläßlich des 45-jährigen Stiftungsfestes, S.S. 27
Entstehung
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2. Deine Rneipen, deine häuſer ſind das heim der Poeſie, und zum Salamanderreiben fehlts an Stammquatieren nie. Fragt ihr mich nach alten Gaſſen? Geht nur hin und ſeht euch um! Selbſt die allerneuſten Straßen ſchienen mir bisweilen krumm.

3. Zu des Gleibergs ſatter Grüne lockte uns der Maientag und des Staufenbergs Ruine ſah manch frohes Sechgelag. Wo der Mönch ſtatt vor dem Liebchen vor dem Kreuz ſich einſt verbeugt, Schiffenberg dein Söllerſtübchen, fand ich manchmal gar zu feucht.

4. Selbſt die Lahn, des Rheines Schweſter, iſt umhaucht vom Burſchengeiſt, nimmer dulden wir Geläſter, wenn uns wer den Reckar preiſt. Durch das Wehr der alten Mühle, zog der Fuchs den Kahn hindurch und im Bowlenvorgefühle rudert er zur Badenburg.

5. Deine Mädchen ſchönes Gießen, ſcheinen zwar von außen kalt, doch ein andres Lied von dieſen rauſcht der Philoſophen⸗ wald. Selig in des Klubſaals Tiefen, ſchwang der Fuchs ſein Mädel rum, ſelbſt die alten Inaktiven wälzten ſich im Saal herum.

6. Hich, wie muß das Blatt ſich wenden, wo Herr Goethe ſcheltend ſpricht: Dieſe Gießener Studenten raufen, doch ſtudieren nicht. Säh er heut Student und Spicßer, nimmer wahrlich ſpräch er hohn, und ein echter rechter Gieß'ner liebt den flotten Muſenſohn!

7. Hlſo dichtet ein Philiſter, nimmt ſein buntbewirktes Band, Praxis, Weib und Kind vergißt er, fährt hinauf ins Heſſenland, ſetzt ſich nieder zu den Jungen, ſtimmt den Jubel kantus an, und im Jubel iſt's verklungen:heil dir, Gießen an der Lahn.

5. Alles ſchweige. Volksweiſe.

1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr! hört ich ſing das Lied der Lieder! hört es meine deutſchen Brüder! hall' es, hall' es wieder, froher Chor!

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