Druckschrift 
Philister-Lieder der Adelphia : zum 20jährigen Stiftungsfest / gewidmet von Otto Roth
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2. Der Ermatriculandus.

21

. das Exmatriculiren iſt ein böſes Ding, ja, ja!

Mich befällt ein leiſes Srieren, denb' ich der Examina. Mir wird bang' und immer bänger, denn die ſchöne Seit iſt aus! Sögern darf ich nun nicht länger, muß zurück ins Vaterhaus!

2. Der papa, der ſchreibt poſttäglich:Lieber Sohn, biſt fertig du? Sertig, ja, und das iſt kläglich, fertig mit dem Geld im Nu. Aber ſollte ich mich zeigen fertig in Gelehrſamkeit: ach, ich kann mirs nicht verſchweigen, darin kam ich nicht zu weit!

3. Wohlgeſpitzt die ſcharfe Seder, und den Spicker dinten⸗ voll, ſaß ich da vor dem Katheder, dem der weisheit Wort entquoll; alles wurde nachgeſchrieben in den Heften, ſchwarz auf weiß; doch da iſt es auch geblieben, in den Kopf kam nicht mein Sleiß.

4. Hatte ja ſo viel zu denken an Commers und Comitat; mußte meinen Sinn oft lenken zum fidelen Burſchenſtaat. Ei, da war gar lang' zu ſparen, wußte kaum noch, wo und wie; fehlt' es mir auch an dem Baaren, an den Bären fehlt

X

3. Hundert Semeſter.

22 6 ls ich ſchlummernd lag heut acht, lockten ſüße Träume, 4 ſchimmernd in der Jugend pracht, mich in ferne Räume. Kraſſes Süchslein ſaß ich ſchlank in der Kneipe wieder, und in vollem Chore klang laut das Lied der Lieder: Gaudeamus dam juventutem, post nos habebit humus.

es nie.

igitur, juvenes dum sumus! post jucun molestam senectutem nos habebit humus,

2. Tabakswolkenduft umkreiſt, bläulich, Rheinweinbecher; deſto heller flammt der Geiſt in dem Kaupt der Zecher. Süchs⸗ lein fühlt im Weltenrund ſich der Schöpfung Krone; und er

/,ͤ