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Das Studium an der Ludwigs-Universität in Gießen an der Lahn / herausgegeben im Auftrage der Stadt Gießen ; zusammengestellt von Hans Fritz Schuster, Gießen ; Bilder von Winterhoff und Bürck
Entstehung
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winnt. Er wird dadurch vor Mißgriffen und Feitvergeudung bewahrt. Die Fakultät gibt daher folgende Geſichtspunkte zur Beachtung.

1. Grundlage des theologiſchen Studiums iſt die Kenntnis des Alten und Neuen Teſtaments. Eine rechte theologiſche Ausbildung iſt darum ohne gründliches Studium der Heiligen Schrift und der damit verbundenen wiſſenſchaftlichen Fragen überhaupt nicht zu er⸗ reichen. Ebenſo iſt die Beſchäftigung mit der Geſchichte der Kirche und ihrer Lehre für das Verſtändnis der theologiſchen und kirchlichen Gegenwartsaufgaben unentbehrlich. Darum bildet fleißiger Beſuch der exegetiſchen und der hiſtoriſchen Vorleſungen die notwendige Vorausſetzung für eine fruchtbare Beſchäftigung mit den Aufgaben der ſyſtematiſchen und der praktiſchen Theologie. Es muß alſo in den erſten Semeſtern mit den Vorleſungen aus dem Gebiet der exe⸗ getiſchen und hiſtoriſchen Theologie begonnen werden. Den mittle⸗ ren und den letzten Semeſtern iſt das Studium der Syſtematik und Praktik vorbehalten.

2. Wer die verlangte Reife in den klaſſiſchen Sprachen oder im Hebräiſchen nicht beſitzt, muß alles aufbieten, um ſie ſo bald als möglich zu erwerben. Der Nachprüfung im Griechiſchen und Latei⸗ niſchen müſſen noch mindeſtens ſechs, der im Hebräiſchen mindeſtens vier Studienſemeſter folgen.

Die akademiſchen Ferien müſſen zur Vertiefung des Studiums mitbenützt werden. Sie bieten die beſte Gelegenheit, wichtige größere Werke und aktuelle Schriften zu ſtudieren, aber auch durch näheres Eindringen in Einzelfragen die eigene Handhabung wiſſenſchaftlicher Methode zu üben. Dazu geben beſonders die Themata für Ferien⸗ arbeiten Anregung, die regelmäßig am Ende jedes Semeſters am Schwarzen Brett der Fakultät angeſchlagen werden.

VYerfehlt iſt es, durch unrichtige Verteilung der Arbeit die mittle⸗ ren Semeſter zu ſtark mit Vorleſungen zu belaſten; darunter leidet die Gründlichkeit des Studiums. Sehr zu wünſchen iſt, daß auch das letzte Semeſter vor dem Examen noch an der Univerſität zu⸗ gebracht und beſonders die Teilnahme an den Seminarübungen bis zuletzt fortgeſetzt wird. Mancher Mißerfolg erklärt ſich aus der falſchen Gepflogenheit, das letzte Semeſter lediglich zum mechaniſchen Einlernen zu benutzen.

5. Den Unterſchied zwiſchen Schule und akademiſchem Studium muß man von vornherein ſcharf ins Auge faſſen. Das Ziel des Studiums iſt nicht bloß ein beſtimmtes Wiſſen, ſondern auch ſelb⸗ ſtändiges Verſtehen und eigenes Urteil. Darum darf man ſich nicht mit der Aufnahme des gehörten Stoffes begnügen, ſondern muß ihn

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