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däâs ganze deutsche Waffenstudententum am 156. März ds. Js. die überwältigende Nachricht vernommen, daß der Führer und Kanzler die Wehrpflicht eingeführt und damit dem deutschen Volke aus eigner Kraft die Wehrhoheit wiedergegeben hat, die die ganze Welt uns für immer glaubte versagen zu können.
Wir wissen, daß unsere deutsche Wehrmacht nach dem Willen des Führers ein W9erkzeug des Friedens sein soll, und dabß sie dazu berufen ist, in Erfüllung ihrer deutschen Aufgabe Europa vor dem Chaos zu bewahren. Wir wissen aber auch, daß der Gedanke„nie wieder Krieg“ nur in einer feigen Knechtesseele wohnt, und daß es das höchste Recht, zugleich aber auch die vornehmste Pflicht eines jeden deutschen Mannes ist, mit der Waffe in der Hand jederzeit für Ehre und Preiheit seines Volkes bis zur Selbstaufopferung einzutreten.
Wir hier in unserem lieben alten Gießen, in dem ja die Wiedererstarkung der Wehrmacht tagtäglich in so sinnfälliger Weise in die Erscheinung tritt, wissen die Wiederwehrhaftmachung des deutschen Volkes besonders zu schätzen. Gerade die Gene- ration, der ich angehõre, gedenkt in dieser Stunde bewegten Herzens der himmelhochjauchzenden glückseligen Zeit, in der wir hier als junge Hessenfüchse des Kaisers bunten Rock trugen, nichtahnend, daß aus dem fröhlichen Waffenspiele für uns einst blutiger Ernst werden solle.
Wir Alten Hessen erinnern uns aber auch heute der Tat- sache, daßs in der Vorkriegszeit ein besonders herzliches Verhältnis zwischen dem Offizierkorps des einstigen„Kaiser Wilhelm'— Regiments und unserem Corps bestanden hat, da viele unserer Aktiven, Inaktiven und Alten Herren in dem Regiment ihrer Dienstpflicht genügten, hier ihre Uebungen ableisteten und später als Reserveoffiziere dem Regiment angehôrten. Das gemeinsame blutige Erlebnis des Weltkrieges hat diese Bande noch fester ge- knüpft; gar viele unserer Corpsbrüder sind in dem Regiment gefallen und viele der Ueberlebenden haben in ihm oder seinen Kriegsformationen gekämpft und geblutet. Ich mõchte von Herzen wünschen, daß dieses schöne Verhältnis zwischen Wehrmacht und Corps auch gegenüber allen Truppenteilen Platz greife, die heute oder in Zukunft in Gießen in Garnison stehen.


