Neues Schloß und Zeughaus
— sie ist deshalb durchaus nicht nur für langweilige Biedermänner und Philister geschaffen!—, sie gibt auch weniger Veranlassung dazu, weil weniger seelische Spannungen auftreten und der einzelne die menschliche und kameradschaftliche Haltung am Beispiel des ihm näherstehenden Dozenten und Kommilitonen lernt.
Man ist fast versucht zu sagen, daß in der kleinstädtischen Universität die Geschlossenheit des Lebenskreises— nicht gestört durch die Reiz- momente der Großstadt, die doch keine Erholung gewähren können — ein ruhiges geistiges Ein⸗ und Xusatmen ermöglicht, das Menschliche and Wissenschaftliche ergänzen sich, das Xufgenommene kann leichter verarbeitet und vertieft werden, die geistige Verdauung funktioniert gleichsam besser.
Nehmt alles nur in allem, so bleibt als lezter Vorzug unsrer klein- städtischen Universität der Kraft- und Zeitgewinn, der für erholsame Spaziergänge und Wanderungen in die verlocende UImgebung Gießens, für Sportbetätigung, Schneeschuhlaufen usw. ausgenutzt werden kann. Der Rhytmus des Lebens und Arbeitens ist so ganz anders in der Kkleinstädtischen Universität, daß man sagen könnte, die Universität gehöre überhaupt in die Kleinstadt wegen der günstigeren Umwelt⸗ bedingungen. Dort ist ihr Platz. Die grohstädtische Universität da- gegen muß die Großstadt als notwendiges Ubel mit in Kauf nehmen.
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