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Das Studium in Gießen / zusammengestellt von Hans Fritz Schuster ; herausgegeben im Auftrage der Stadt Gießen und des Verkehrsverein Gießen
Entstehung
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Lob deor Kleinſtäcttiſchen Iniverſitt

Von Profeſor Or, Heinrich Bochtel, Gioßen

Wenn ich als Dozent etwas zum Lobe der kleinstädtischen Universität sagen soll, so liegt es für mich nahe, zuerst an die wissenschaftlichen Vorteile zu denken, die sie dem Studenten bietet. Vielleicht sind dies überhaupt die größten Vorzüge der kleinstädtischen Universität gerade für den jungen Studenten. In den höheren Semestern findet ja den richtigen Weg zum Ziele noch mancher, der in den Xnfangs- semestern oft nicht aus noch ein wußte, im Unklaren war, wo und wie er beginnen sollte, fast Lust und Liebe zu seinem selbstgewählten HPach für längere Zeit und darüber sich selbst verlor,

Das Studium läßt sich auch bei bester Planung nicht wie ein bis auf die leizte Minute eingeteilter Tagesbefehl abwickeln. Und es sind anderseits nicht die Schlechtesten, die infolge der vielen Unbestimmt⸗ heiten und Freiheiten, die mit jedem Studium verbunden sind, ein großes Zweifeln ankommt und die nur ihr seelisches Gleichgewicht bewahren können, wenn sie die Möglichkeit zur Xussprache mit anderen haben. Den Zugang zu anderen Menschen findet der Student aber in der kleinstädtischen Universität schneller, leichter, 2Zwangloser als in der großstädtischen. Hier, in der Großstadt, ist es gar keine Seltenheit, daß sich die Teilnehmer an Seminaren und Ubungen Semester lang fremd bleiben, vielfach sich überhaupt nicht genauer kennen lernen. Die Hast und Eile, mit der in der großstädtischen Universität jeder beim Glockenzeichen den Hörsaal verläßt, sind leider charakteristisch, aber für Dozent wie Student gleich unerwünscht, immerhin verständlich. Denn in der Großstadt sind die über den Tag verteilten Ruhezeiten zu knapp, die Wegstrecken, die manchmal sogar innerhalb der 15 Minuten=⸗Pause zwischen zwei weit voneinander abliegenden Instituten zurückgelegt werden müssen, zu groß, als dahß dem Studenten Muße und Ruhe zum gelegentlichen Kennenlernen eines andern oder gar zur gemütlichen Xussprache mit ihm bliebe. In den stark besetzten Räumen der grohstädtischen Universität ist oft vom ersten Tage an ein Wettrennen um die besten Arbeitsplätze,

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