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Ueber die Anfänge des Unterrichts in Tierheilkunde an der Universität Gießen (1777-1827) / von Wilhelm Schauder
Entstehung
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2 Jahrfeier der Universität Gießen von Schäfer gebrachte ArtikelDie Veterinärmedizin an der Universität Gießen (1907) ist für die ersten Jahrzehnte sehr lückenhaft und enthält viele Ungenauigkeiten und Irrtümer. Um so mehr dürfte es angebracht sein, gerade diese erste Periode tierärztlichen Unterrichtswesens an der Universität Gießen einmal geschicht- lich darzustellen.

Unter Landgraf Ludwig IX. zu Hessen(1768 1700) wurde am 23. 4. 1777 auf Veranlassung des Kanzlers und Präsidenten sämtlicher Landeskollegien, Karl Friedrich von Moser(17231798), an der Universität Gießen eine fünfte, ökonomische Fakultät gegründet(vgl. Stieda). Durchsystematische und gründliche Erwerbung der Cameral- und damit verbundenen Wissenschaften sollte vor allem die künftige Beamtenschaft für ihren Dienst zur Hebung der hessischen Volkswirtschaft vorbereitet werden. Als ord. Professor der Politik, Kameral- und Finanzwissen- schaften und Decanus perpetuus der ökonomischen Fakultät, welcher sechs Professoren angehörten(vier davon zugleich der philosophischen und medizinischen) wurde 1777 Joh. Aug. Schlettwein(17311802) berufen. Im Studienplan warVieharzneikunst für das dritte Semester bzw. zweite Jahr vorgesehen in Verbindung mit Landwirtschaft, Forst- wissenschaft, Mineralogie und ökonomischer Botanik. Die Tierheilkunde war zunächst wohl nur als eine Appendix der Landwirtschaftslehre gedacht, aber entsprechend dem Nütz- lichkeitsstandpunkt, von dem aus v. Moser die Fakultäts- neugründung angeregt hatte, hielt er die Vorlesungen über Vieharzneikunde fürfruchtbarst und notwendigst im Hin- blick auf die Bekämpfung der zunehmenden Verbreitung der Viehseuchen. Mit der Wahrnehmung des Unterrichtes über Tierheilkunde wurde Prof. Dr. med. Joh. Ludw. Friedr. Dietz beauftragt(geb. 7. 12. 1746 in Darmstadt, Dr. med. 1770 in Gießen, ord. Professor in der med. Fakultät für Anato- mie 1775 98, dazu ab 1777 Prof. der ökon. Fak., gest. 1808 in Darmstadt). Die Wahl dieses Mannes war nach dessen Persönlichkeit wie Wissen in dem ihm neu übertragenen Lehr- gebiete leider eine unglückliche. Er hatte offenbar gar keine Kenntnisse von Tierheilkunde(Nebel). Um sich die not- wendigen Bücher für das ihm fremde Fach kaufen zu können, forderte er 15 20 Gulden aus Fakultätsmitteln und wünschte auf Kosten Serenissimi ein Vierteljahr auf Reisen, insbeson- dere nach Lyon, geschickt zu werden,um die Vieharzneikunst gründlich zu erlernen, was eine recht primitive Vorstellung Dietz' von Tierheilkunde und seinen neuen Aufgaben verrät. Sein Wunsch blieb wohl unerfüllt, und Dietz zeigte infolge- dessen keinen Eifer für das Halten von Vorlesungen, angeblich