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Moritz Pasch : Zwei Gedenkreden, gehalten am 24. Jan. 1931 / von Friedrich Engel und Max Dehn
Entstehung
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des Schädels, der Ausdruck gütig, weise, ein wenig ironisch, gar nicht weich, sondern eher diszipliniert. Eine fast pedan- tische Ordnung in allen seinen Sachen, so daß er jede ge- wünschte Kleinigkeit trotz seiner schlechten Augen sofort finden konnte. Mit einer spartanischen Anspruchslosigkeit hat er sich in den schlimmen Jahren nach dem Kriege eingerichtet. Wir haben ihn bewundert, wie er es durch systematisch durchdachte Anordnung fertig brachte, als über Sojähriger mit einem Ruck- sack als Gepäck ganz allein, über die Umsteigestation Berlin, nach Greifswald zu seinen Kindern zu fahren. Wir haben gedacht, daß er es verstand, die allein absolut sichere Methode der Axiomatik auch auf die Dinge des täglichen Lebens zu übertragen. Und als Mathematiker: man macht sich die Be- schreibung leichter durch Vergleich. Aber keiner unter den Mathematikern der neueren Zeit will mir zum Vergleiche passend erscheinen. Am ehesten möchte ich ihn mit Euklid vergleichen. Euklid's große, unvergängliche Leistung ist sicher die Systematik gewesen. Vielleicht hat Euklid keine ganz wich- tige mathematische Erscheinung als erster erkannt. Aber seine geordnete Darstellung der Mathematik hatte zeugende Wirkung. Archimedes und Apollonios sind ohne Euklid nicht zu denken. Ja, es gibt wenig Menschen, deren Formungen solchen Einfluß auf die Gedankenketten der Nachwelt gehabt haben, wie die Euklid's. Und so wirkt auch Pasch's Werk weiter, wenn es auch natürlich an geschichtlicher Bedeutung mit denElemen- ten nicht wetteifern kann. Aber es ist aus der Geschichte der modernen Mathematik nicht fortzudenken, weil es ebenfalls fruchtbar weiter gewirkt hat.

Als formenden Menschen, als Mathematiker, der stets den größten Wert auf den sprachlichen Ausdruck als den Träger der Gedankenketten gelegt hat, können und sollen wir ihn auch mit Dichtern vergleichen. Und da möchte ich ihn mit dem Manne voll leidenschaftlicher Sittlichkeit, und doch größ- ter Güte, dem großen Formkünstler, der mit fast pedantischer Genauigkeit jede Einzelheit bedachte, mit dem Deutsch-Oster- reicher Adalbert Stifter vergleichen. Ich weiß gar nicht, 0b Pasch Stifter gekannt oder gar viel gelesen hat, aber manch- mal überrascht mich die Khnlichkeit seiner Sprache mit der des Dichters. Das kommt vielleicht besonders in seiner schönen Festrede von 1894Über den Bildungswert der Mathematik