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Das Kloster seinen Gefallenen
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Wald das iſt Hans Kirſten. Er nennt ihn einen lebhaften, für jede Weiſung unendlich dankbaren Schüler mit einer tief im Gemüt wurzelnden Neigung zum Wald und Wild; einen treuherzigen Menſchen, vornehm und doch voll natürlicher Lie⸗ benswürdigkeit, einen friſchen, lebensfrohen Geſellſchafter. Er betont neben dieſen heiteren Weſenszügen ſeine Pflichttreue, ſeinen Drang zu gründlichem Vorwärtsarbeiten.Die polni⸗ ſche Heide birgt ſeinen jungen Heldenleib, ſein Andenken wahrt in Treue die Thüringer Waldheimat, ſo ſchließt jenes Gedenk⸗ blatt. Auch im Kloſter war Kirſten bei Jung und Alt ſeines ſonnigen, liebenswürdigen, friſchen Weſens halber ganz beſon⸗ ders beliebt.

5. Dr. Wilhelm Frank. rec. 22. VI. 1912.

Wilhelm Frank wurde zu Köln am 6. Dezember 1888 als Sohn unſeres Kloſterbruders Profeſſor Frank geboren. 1909 beſtand er am Kaiſer⸗Wilhelm⸗Gymnaſium zu Köln ſein Abi⸗ turientenexamen. Einer ſchon früh in ſeinem jugendlichen Herzen wachen Neigung zur Naturwiſſenſchaft folgend und ſeinen Vater als Vorbild ſtets vor Augen, widmete er ſich mit Begeiſterung dem Studium der Medizin in Bonn, Würzburg, München und Gießen, wo er ſein Staatsexamen Oſtern 1914 mitSehr gut beſtand. Kurz vor Kriegsausbruch promonierte er in Gießen zum Dr. med. Die Pflicht rief ihn nach Kriegsausbruch in die gefährlichſten Lagen. Er wurde in der vorderſten Linie mit der Funktion eines Bataillonsarztes des Regts. Nr. 88 betraut. Nie wurde er müde, die Leiden und Wunden ſeiner Kameraden zu heilen. In wehmütiger Stimmung feierte er mit ſeinem Stabsarzt und dem Sanitätsperſonal Weihnachten; draußen rollte im Argonnerwald der Kanonendonner und knatterte das Gewehrfeuer. Er ſollte das Weihnachtsfeſt nicht lange überleben. Am 21. Januar 1915 fiel er auf der Höhe 191 bei Maſſiges in der Champagne durch einen Volltreffer, der den Sanitätsunterſtand traf. 2 Sanitätsſoldaten waren ſofort tot, er ſtarb bei der Ueberführung ins Lazarett.Sein Leben hinzugeben fürs Vaterland, das iſt des Schweißes der Edeln wert, ſchrieb er in einem Briefe in die Heimat.Der Weg, den ich zu gehen habe, iſt mir klar vorgezeichnet, ſelbſt wenn es der Weg des Todes iſt. Ich hadere mit meinem Schickſal nicht. Den Weg ſind die Beſten gegangen, ich bin nicht zu ſchlecht dazu, heißt es in einem anderen. Im Grunde ſeines Herzens war er voll Güte und von anſpruchsloſer Beſcheiden⸗ heit, nie darauf aus, ſeine Perſon zur Geltung zu bringen. Sein Ideal war die ſtille Pflichterfüllung, die nicht nach Ehren und Anerkennung haſcht.