Druckschrift 
Der akademische Forstgarten bei Gießen als Demonstrations- und Versuchsfeld/ von Dr. Richard Heß, o. ö. Professor der Forstwissenschaft an der Großh. Hess. Ludwigsuniversität und Director des akademischen Forstinsituts
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

gewechſelt werden mußten. Zur Vermeidung dieſer Reparaturen und der hierdurch veranlaßten Störungen im Waſſerbezug wurde endlich im April und Mai 1873 die gegenwärtige Leitung, und zwar ausſchließlich mit eiſernen Röhren, gelegt.

Der Durchlaß vor dem Thore(an der Chauſſee) wurde im Frühjahr 1874 mit einem Koſtenaufwande von 39,43 M. hergeſtellt.

Der Ludwigsbrunnen liefert neuerdings keinen Beitrag mehr zum Teiche, weil deſſen Waſſer jetzt ausſchließlich der nach den neuen Kliniken in Gießen führenden Waſſerleitung zugeführt worden iſt.

7. Umfriedigung.

Als der Verfaſſer den Forſtgarten übernahm, fand er denſelben auf allen vier Seiten mit einer teils aus Weißdorn, bezw. Hainbuche, teils aus Fichte beſtehenden lebenden Hecke eingezäunt. Da jedoch zumal der Weißdornzaun inzwiſchen ſo lückenhaft geworden war, daß er gegen das Eindringen des Wildes nicht mehr genügend ſchützte und das letztere durch die im Forſtgarten befindlichen ſelteneren Holzarten von jeher ſehr angezogen wird, mußte vor allem eine ſolide Ein friedigung hergeſtellt werden.

Der Anfang hiermit wurde im Jahre 1870 an der nordöſt⸗ lichen Grenze gemacht und hier zunächſt ein 150 m langer Draht⸗ zaun, aus 14 Drähten beſtehend, errichtet. Um die Studierenden mit der verſchiedenen Dauer der Holzarten je nach Schaftteilen (Stockende, Untermitte, Obermitte, Gipfel) und auch maßgeblich der Behandlung bekannt zu machen, wurden die Pfoſten 12 ver⸗ ſchiedenen Holzarten(Lärche, Weißtanne, Fichte, Kiefer, Wey⸗ moutskiefer, Schwarzkiefer, Stieleiche, Rotbuche, Eſche, Roterle, Akazie, Elzbeere), bezw. den genannten Schaftteilen entnommen und einer verſchiedenen Behandlung unterzogen(roh gelaſſen, angekohlt, angetheert, ganz getheert, mit verſchiedenen Oelen getränkt, mit Oelfarbe angeſtrichen ꝛc.) 1). Im Jahre 1871 wurde der Draht⸗ zaun längs des Fußweges von Gießen nach dem Schiffenberge bis zum öſtlichſten Eckpunkte fortgeſetztt und beendigt. Ferner wurde hinter dem alten Hainbuchenzaun und einem Teile der Fichtenhecke (in II, 2) 1872 ein Stangenzaun errichtet und 1873 hinter dem Drahtzaun nach Norden hin eine junge Weißdornhecke, ſowie nach

¹) Dr. Heß: Mitteilungen über Arbeitsleiſtung und Koſtenaufwand bei Herſtellung eines Drahtzauns, bezw. Unterſuchungen über die Dauer der Holzarten(Supplemente zur Allgemeinen Forſt⸗ und Jagdzeitung, 9. Band, 1875, S. 64 75).

Derſelbe: Ueber die Dauer von Zaunpfoſten(Allgemeine Forſt⸗ und Jagdzeitung, 1879, S. 407). Dieſe Notiz bildet eine Ergänzung zu den vorſtehenden Mitteilungen; zum vollſtändigen Abſchluſſe ſind aber die betref⸗ fenden Unterſuchungen noch nicht gelangt.