Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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Liebe Kommilitonen!

Mue von Euch, die Infanteriſten ſind, wird wohl bekannt ſein, 89 daß unter den Märſchen, die unſre Pfeifer zum Trommel⸗ ſchlage hören laſſen, außer den altbekannten auch einer iſt, der den Namen trägt: Björneborgarnes Marſch. Die wenigſten aber werden wiſſen, was es damit für eine Bewandtnis hat. Vielleicht iſt es daher manchem nicht unwillkommen, etwas darüber zu erfahren.

Der Marſch verſetzt uns zurück in die Jahre 1808- 1809, in die Zeit des Krieges, der Schweden Finnland koſtete. Kein Krieg hat einen Sänger gefunden wie dieſer. In ſeinenErzählungen des Fähnrichs Stahl hat der finniſche Dichter Runeberg(1804 1877) in ſchwediſcher Sprache die Heldentaten des kleinen aber unvergleich⸗ lich tapferen finniſchen Heeres dichteriſch verklärt, indem er in Gedich⸗ ten, deren jedes eine Perle iſt, einzelne Ereigniſſe und Perſönlich⸗ keiten aus dem Kriege ſchilderte. Schade, daß dieſe Gedichtſamm⸗ luug, die in der Weltliteratur nicht ihres Gleichen hat, bei uns ſo wenig bekannt iſt, weil von den zahlreichen deutſchen überſetzungen keine auch nur von ferne an die Kraft und Schönheit der ſchwediſchen Dichtung heranreicht.

Kein finniſcher Truppenteil wird nun in der Geſchichte jenes Krieges ſo oft und mit ſolchen Ehren genannt, wie die zweite fin⸗ niſche oder Björneborgiſche Brigade, die aus dem Städtchen Björne⸗ borg am Bottniſchen Meerbuſen und aus der Amgebung ausgehoben war. Auch in Runebergs Gedichten tritt gerade dieſe Brigade be⸗ ſonders glänzend hervor. Ihrem Marſche, denn der iſt es, um den es ſich handelt, hat er ſogar ein eignes Gedicht gewidmet, das nach dem Rhythmus des Marſches gebildet, in jedem Finnen vaterländiſche Begeiſterung hervorruft und das auch im Herzen jedes deutſchen Leſers Wiederhall finden muß.

Wem aber hat es die Björneborgiſche Brigade zu verdanken, daß ſie Taten vollbracht hat, die ſie würdig gemacht haben, daß ihr Name ſogar in unſerem deutſchen Heere lebendig erhalten wird? Das iſt ihr damaliger Führer, General v. Döbeln(1758 1819), wohl die merkwürdigſte Perſönlichkeit, die jener Krieg aufzuweiſen hat. Es würde ſich lohnen, ein Bild ſeines Lebens zu zeichnen; hier aber muß ich mich mit der Anführung einiger Züge daraus begnügen.

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