Druckschrift 
Begrüßungs-Feier für die aus dem Felde heimgekehrten Studierenden in der Neuen Aula der Ludwigsuniversität am 9. März 1919 / [Begrüßungsworte des Rectors Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Hans Strahl, Ansprache des Geh. Kirchenrats Prof. D. Dr. Gustav Krüger, Dankworte des Vorsitzenden des Ausschusses der Studenschaft stud. theol. Friedrich Wilhelm Bernbeck]
Entstehung
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Dankbar wollen wir, trotz aller Laſten, die uns nun auf⸗ erlegt ſind, auch dafür ſein, daß wir nach erſchütterndem Er⸗ lebnis zu dem Herde der alma mater zurückkehren durften, um uns hier in ſtärkender Berührung mit dem heiligen Mutterboden der Wiſſenſchaft zu üben und zu ſtählen für för⸗ derndes Wirken und bauendes Schaffen an Stätten und werken des Friedens. Mögen andere ſich darum ſtreiten, wie wir das Gut der Wiſſenſchaft aus der Hand unſerer Lehrer empfangen ſollen, mag tote Form auch berſten und ſchwinden, der hohe, freie Geiſt, der lebenſpendend unſere deutſchen Uni⸗ verſitäten erfüllt, deſſen werden wir in dieſer Feierſtunde ge⸗ wiß, er wird uns in ſeiner alten Größe und Kraft erhalten bleiben; er wird uns auch bei treuer, mutiger febeit wieder die Freudigkeit verleihen, in oer uns Geiſtesſchwung und willenskraft ſiegend hindurchreißen durch alle Hemmungen und Wirrniſſe der Gegenwart.

Wir haben aber nur dann das Recht, Kommilitonen, hier unſerem Dank in Worten Hlusoͤruck zu verleihen, wenn er uns nicht einfach leicht von den Lippen fließt, ſondern nur, wenn er als tiefſtes, lebendigſtes Gefühl in unſerem Innern wur⸗ zelt und einer kraftvoll bewußten geiſtigen gebenshaltung entſpringt. Darum auch ſoll unſer Dank ſich nicht in Gefühl und Worten erſchöpfen, er ſoll ſich vielmehr umſetzen in Willen und Wirkung. jill die Lebenswerte, die wir in ſchweren Jahren gewonnen, den Mut und die Kraſt, die wir im Sturme erprobt, die zähe Geduld, die uns durch mancherlei Drangſale geführt, die wollen wir nun einſetzen in der unermüdlichen Rrbeit an neuen ernſten Hlufgaben, deren Erfüllung die nächſte Zukunft und das geiſtige Leben unſeres Volkes gebieteriſch zu heiſchen berechtigt ſinoͤ.

So ergreifen wir denn heute voll Dankbarkeit und froher Zuverſicht die uns hilfreich dargebotene Hand unſerer geiſtigen Führer und geloben: wir wollen alle in dem ernſten Gedanken, mitverantwortliche Träger der Zukunftsentwicklung ſein, un⸗ entwegt und unerſchütterlich, mit allem, was wir zu geben vermögen, zuſammenſtehn und zuſammenwirken an der ge⸗

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