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Lieder für den Kommers zur Feier des Jahresfestes der Ludwigs-Universität zu Gießen am 1. Juli 1897 in Stein's Saalbau
Entstehung
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II.

as war der Graf zu Rüdesheim, mit Gütern

reich beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug geblickt. Doch als er ihr die Lieb' geſtand, lacht ſie ihm ins Geſicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht. Und er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.

2. Wohl ſieben Jahre ſaß er ſo geſchieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all ſein Gut und GHeld; wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Alſo ſaß und vergaß er in der Burg am Rhein ſeinen Schmerz,

denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.

3. Doch als das letzte Gut verthan, ging es dem Grafen ſchlecht; ein andrer Herr bezog das Schloß, da ward der Graf ein Knecht. Die ganze Woche plagt' er ſich im Wirtshaus vor der Burg; was in der Woche er ver

dient, bracht er am Sonntag durch. Und dann ſaß und

vergaß er im Kellerloch am Rhein ſeinen Schmerz, denn das

Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.

z. Und die euch dieſes Lied erdacht, die waren ſelber dort; zu Fuß kam man den Berg herab, die Gelder waren fort Man haͤderte mit dem Geſchick und härmte ſich gar ſehr, da hörte man vom edlen Graf die wunderſame Mär Und man ſaß und vergaß vor ſeiner Burg am Ahein allen

Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.

2 ſaßen beim ſchäumenden, funkelnden Wein [ drei fröhliche Burſchen und ſangen; es ſchallte

und brauſte das Jubellied:, und luſtig die Becher erklangen.:,