— 6 8. Stoßt an! Burſchenwohl lebe! Hurrah hoch! Bis
die Welt vergeht am jüngſten Tag, ſeid treu, ihr Burſchen: und ſinget uns nach:„Frei iſt der Burſch!“
IV.
Träume, ſchimmernd in der Jugend Pracht, mich in ferne Räume. Kraſſes Füchslein ſaß ich ſchlank in der Uneipe wieder, und im vollen Chore klang laut das Lied der Lieder: Gaudeamus igitur, juvenes dum su- mus! post jucundam juventutem, post molestam senec- tutem nos habebit humus.
2. Tabakswolkenduft umkreiſt, bläulich, Rheinwein becher; deſto heller flammt der Geiſt in dem Haupt der Zecher. Füchslein fühlt im Weltenrund ſich der Schöpfung Krone; und er ſingt mit keckem Mund und mit keckem Tone, Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos, ubi jam fuere.
3. Jäh erwacht ich.— Glockenklar tönt mir's in die Ohren: Heut' ſind's runde ſiebzig Jahr, ſeit du wardſt ge boren. Heut' ſchon liegen hinter dir der Semeſter hundert!
Hell rieb ich die Augen mir, ſummte ſtill verwundert: Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit mors velo citer, rapit nos atrociter, nemini parcetur.
4. Schnell vom Lager ſprang ich auf, rief: Mir hat das Leben viel in ſeinem jungen Lauf, Leid und Luſt, gegeben. Sei vergeſſen, was gedrückt mich mit Not und Hlage; heut ein Hoch dem, was beglückt' meine jungen Tage: Vivat academia, vivant professores, vivat mem- brum quodlibet, vivant membra quaelibet, semper sint in flore!


