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Die Giessener Beteiligung an dem Fichteschen Atheismusstreit / eingereicht von Friedrich Herweck, geboren in Darmstadt
Entstehung
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das Urteil, das Fichtes Sohn, Immanuel Hermann Fichte, in der Biographie Fichtes über die beiden Gießner Schriften fällt. Nach ihm sind sieals die ein- gehendsten und ausführlichsten unter den Verteidigungs- schriften auszuzeichnen.¹)

VI.

In dem Vorhergehenden habe ich, soweit es mir bei dem zerstreut liegenden Material möglich war, versucht, die Gießner Beteiligung an dem Fichteschen Atheismusstreit zu schildern. Schon die Beteiligung über- haupt zeugt von reger Teilnahme der Gießner Oni- versität an den Tagesfragen der Wissenschaft. Nur wenige Universitäten(außer Gießen noch Kiel und Halle) sind durch ihre Professoren in dem Fichteschen Atheismusstreit vertreten; Gießen dagegen nicht nur durch zwei Professoren, sondern, was fül die damalige Zeit mit am auffallendsten war, durch ein Mit- glied der theologischen Fakultät, das sich für die Fichtesche Philosophie erklärte. Beide Professoren erklären sich für die Fichtesche Sache, und beide treten mannhaft für die Freiheit geistiger Forschung und gegen ihre Beschneidung durch Konfiskations- und Re- quisitionsrescripte ein. Zieht man noch die damalige Lage des Gießner Universitätswesens, das fast vollständige Brachliegen eines wissenschaftlichen Betriebes besonders in der theologischen und philosophischen Fakultät,) in Betracht, berücksichtigt man ferner die politische Lage, in der die Wörter Atheist und Demokrat allein schon ge- nügten, um den Regierungen verdächtig zu werden, So wird man die Gießner Beteiligung am Fichteschen Atheismusstreit mit zu den besondern Lichtpunkten in der Geschichte der Gießner Universität rechnen dürfen. Die Teilnahme der beiden Professoren Schmidt und Schaumann und der Charakter dieser Teilnahme selbst ist ein PRuhmesblatt der Ludoviciana.

¹) I. H. Fichte, Fichtes Leben, Bd. I, S. 306. ²) Man vergleiche die Universitätsakten über die gehaltenen Vorlesungen von Michaelis 1797 bis Ostern 1798.