Wie kommen nun die Ankläger bei einem solchen Inhalt dazu, die Transcendentalphilosophie des Atheismus zu beschuldigen? Es können nur unredliche Gedanken und Absichten sein, die die Beschuldigungen erheben ließen. Durch das Geschrei der Ankläger ließen sich dann noch einige„Unmündige“ mitreißen, die die Gottes- schilderung der Transcendentalphilosophen nicht in UÜber- einstimmung fanden mit ihren„Ceremonien und Formeln“ (S. 62). Auffallend findet es Schaumann, daß gerade gegen Fichte diese Anklage erhoben wird, da doch vor und mit ihm Andere dieselbe Lehre vertreten haben. Er findet als Lösung rein persönliche Feindschaft gegen Fichte. Dieselbe Ansicht vertrat Fichte in seiner Appellation(V, 195), wo er die Wühlereien in Jena gegen ihn an die Offentlichkeit brachte. Einen wirklichen Grund können diese Ankläger gegen Fichte nicht vVor- bringen; sie müssen einen Vorwand nehmen(S. 65), und als solcher dient ihnen die Stelle in dem Fichteschen Aufsatz:„Der eben abgeleitete Glaube ist aber auch der Glaube ganz und vollständig. Jene lebendige und wirkende moralische Ordnung ist selbst Gott; wir be- dürfen keines anderen Gottes und können keinen anderen fassen“(V, 186). Schaumann verteidigt diese Stelle dadurch, daß er nachweist, wie Fichte in seinem Auf- satz zu dieser Erklärung GCottes als einer lebendigen und wirkenden Ordnung kommt. Er Zeigt, wie der Glaube an Gott, nach Fichtes Lehre,„Sache des Herzens und des Gewissens, ein unmittelbares Bewußtsein ist, welches von keinem höheren Verstandesbegriff abhängt, durch kein Syllogismus erst begründet wird: er ist ein Glaube, welcher höher ist denn alle Vernunft“(S. 65). Wir dürfen uns nicht in das Feld der Vernünftelei und klügelei verlieren, und über Gott nach denselben Ge- setzen raisonnieren, nach welchen wir die Natur zufälli- ger und zeitlicher Dinge bestimmen“(S. 66). Für den wahrhaft Gläubigen ist Gott kein Wort, kein Name, kein toter Buchstabe, für ihn ist„Gott ein lebendiges Etwas, welches in allem, wie alles in ihm, lebet und webet“ (S. 67).„Wer nach dem Grunde von etwas fragt, dem ist dasselbe ja nicht unmittelbar gewiß, dem ist es ia noch
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Die Giessener Beteiligung an dem Fichteschen Atheismusstreit / eingereicht von Friedrich Herweck, geboren in Darmstadt
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