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Ein akademischer Gesellenbrief / von Wilhelm Flegler
Entstehung
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gescheitertes Lebensschiff in den Nothafen einer sub- alternen Stellung gebracht hatte. Er vertauschte dann das Amt eines minister academiae mit dem eines Fruchtmessers, was ihn aber immer noch in Verbin- dung mit der Hochschule hielt, da diese beträchtliche Bezüge an Getreide aus den benachbarten Dörfern erhielt. Darum durfte er auch in der neuen Stellung, zu der er schon im Jahr 1753 gelangt war, bei den Rezeptionsriten der akademischen Bürger mitwirken, wie dies eben die unten wiederzugebende Urkunde beweist.

Begreiflicherweise legt Herr Andreas Gre gorius Kohlermann für den laudabilis ritus, bei dem er eine so bedeutsame Rolle zu spielen hatte, eine kräftige Lanze ein. Das hatte schon, wie Sabricius bemerkt, einer seiner Vorgänger in einer besonderen Schrift getan. Im Jahre 1689 erschien in Gießen eine Abhandlung, die den Titel führte: Academicus civilis oder Der höfliche Student; ihr Verfasser richtete an die Professoren die dringende Bitte, jedem Versuch, die Deposition abzuschaffen, entschieden entgegenzutreten. Er hieß Johann Justus Valentin und hatte die Magisterwürde; also gehörte er, wiewohl er bloß Depositor war, dem gelehrten Stande an. Aus seinem Buch hat wohl der Nachfolger Kohlermann das Rüstzeug ge- nommen, mit dem er seinen Depositionsbrief aus- gestattet hat, ja wahrscheinlich das ganze Formular. Deswegen müßte man sich wohl an Herrn Valentin wenden, um zu erfahren, aus welcher Quelle er das Zwiegespräch zwischen Solon und Anacharsis ge- nommen hat; ich habe sie bei meinem Suchen dar- nach nicht finden können. Anacharsis war ein junger Skythe, der zu Solons Zeit nach Athen kam, um dort Bildung zu lernen, wie das der junge Moses