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Reichstagswahl, die in dieſer Woche ſtattgefunden hat, zu⸗ ſammengeſtellt worden ſind. Ich fand dort folgende über⸗ raſchende Tatſache: Von den 1039 reichsdeutſchen Studierenden an der hieſigen Univerſität hatten das 25. Lebensjahr vollendet und waren damit wahlberechtigt 146 Studierende. Darunter befanden ſich 55 Studierende der Veterinärkunde. Das macht 38% der wahlberechtigten Studenten. Von den 1039 reichs⸗ deutſchen Studierenden kommen auf die Veterinäre 167. Von den 169 Veterinären insgeſamt ſind alſo nur zwei Nichtreichs⸗ deutſche. 55 von dieſen ſtehen im 26. Lebensjahr, das ſind 33%. Bei einem gleichmäßigen Altersaufbau ſämtlicher Studierenden dürften auf dieſe 167 nur 12 Wahlberechtigte kommen. Statt deſſen kommen auf ſie 55, d. h. beinahe das Fünffache. Wir finden alſo das eigenartige Ergebnis, daß diejenige Gruppe der hieſigen Studierenden, die das Gymna⸗ ſium mit dem Primanerzeugnis verlaſſen hat, alſo durch⸗ ſchnittlich zwei Jahre jünger ſein müßte als die anderen ma⸗ turen Gruppen, faſt fünfmal ſo viel Fünfundzwanzigjährige ſtellt, als die anderen. Ich halte dieſen Zahlen gegenüber meine Behauptung, daß unter den Veterinärſtudierenden eine recht erhebliche Anzahl ſich befindet, die auf dem Gymnaſium oder ſpäter auf der Hochſchule nicht recht vorwärts gekommen iſt, für eine keineswegs beſonders gewagte. Iſt aber dieſe Auf⸗ faſſung richtig, was man natürlich wieder beſtreiten wird, ſo ſind die verſchärften Prüfungsbeſtimmungen, von denen wiederholt die Rede war, ein ſchwerer Schlag für die zukünftige Frequenz des Veterinärſtudiums. Es wird Jahre dauern, bis ſich die veterinärwiſſenſchaftlichen Fakultäten von dieſem Schlage erholt haben werden, und es kann kein Zweifel ſein, daß der Zulauf zum veterinärmediziniſchen Studium demnächſt ganz gehörig ge⸗ dämpft werden wird.
Gießen war in dem letzten Jahrzehnt für Veterinäre eine Lieblingsuniverſität, nicht etwa um deswillen, weil es be⸗ ſonders gute ſachliche Lehrmittel und Anſtalten aufzuweiſen hatte; denn es wird gerade in den beteiligten Kreiſen nicht be⸗


