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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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Bundesstaate Preussen noch so viele gewwagte Neuerungsversuche in entgegengesetzter Richtung zu erzwwingen suchen, erblichet in der Zahl der Universitätsbesucher, die kein Reifezeugnis eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule mit- bringen, einen wertvollen Massstab für das allgemeine wissen- schaftliche und soziale Niveau der einzelnen Studentenschaft. Solange das Erfordernis der Maturität nicht als allgemeine VForbedingung des Studiums der Tierheilkunde anerkannt ist, wird man ihrer Hörerschaft die Gleichberechtigung auf den Universitäten nur bedingungsweise zugestehen. ELine grosse An- 2ahl von Immaturi ist und bleiht ein ernster Schönheitsfehler

jeder Universität und in Giessen stellen zu dieser Kategorie die

Veterinäre beinahe 80%.

So erheblich dieſe Zahl auch iſt, ſo darf ſie aber nicht zu übertriebenen Schlüſſen verführen. Die Anſchauung, auf die man vielfach auswärts ſtößt, daß der ganze Frequenzaufſchwung der Univerſität Gießen auf Rechnung der Veterinäre zu ſetzen ſei, iſt durchaus ſchief; denn hier wird überſehen, daß die heſſiſche Landes⸗ univerſität in allen ihren ſonſtigen Teilen eine zunehmende Blüte aufweiſt und daß die Steigerung der Frequenz in der größten Fakultät, der philoſophiſchen, die nur eine ganz verſchwindende Anzahl von Immaturi(im Winterſemeſter 1901/02 waren es nur 25) aufweiſt, allein einen vollgültigen Ausgleich gegenüber den Vete⸗ rinären bringt. Die philoſophiſche Fakultät iſt jetzt ebenſo groß, wie jahrelang die Geſamtuniverſität zuſammen.

Im übrigen haben auch andere Univerſitäten ohne das Studienfach der Tierarzneikunde nicht unerhebliche Quoten von Studierenden ohne Reifezeugnis. Wir erinnern nur an Königs⸗ berg, Breslau, Halle und Bonn. In Königsberg waren im vorletzten Winter an Immaturi eingeſchrieben 69 Studierende, das ſind 8% der Geſamtzuhörerſchaft. Die betreffenden Zahlen in Breslau ſind 202(11 ½%), in Halle 235(13 ½%), und in Bonn 446(26 ½%), während in Gießen der Prozentſatz der Studierenden ohne Reifezeugnis ſich auf rund 14 ½% beläuft.