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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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nig.

Fortſchritt, und jede Reform muß mit der Thatſache rechnen, daß ſich ihre Urheber vorübergehend unpopulär machen. Allen Skep⸗ tikern aber, denen die Umwälzung zu raſch, zu unvermittelt und zu teuer erkauft erſcheint, geben wir zu erwägen, wie ſich denn in der gleichen Zeit andere Stadtgemeinden unſeres engeren und weiteren Heimatslandes vorwärts entwickelt haben. Gegenüber dieſer großartigen Hebung des deutſchen Städteweſens konnte Gießen, wenn es nicht den Anſchluß endgültig verpaſſen wollte, nicht zurückbleiben, und es wird gewiß eine Zeit kommen, wo man allgemein mit Genugthuung auf die Errungenſchaften des neuen Syſtems zurückblickt. Der indirekte Nutzen, den es der ortsangeſeſſenen Bürgerſchaft ſchon jetzt ſichert, zeigt ſich nirgends deutlicher als in der Entwickelung der Univerſität, die der Stadt jährlich Hunderttauſende auf dem Wege der vermehrten Konſum⸗ tion zuführt.

Es giebt aber noch andere Momente erfreulicher Art, welche den Aufſchwung der Landesuniverſität begleiten und erklären. In der letzten Periode, etwa von 1896 bis heute, hat ſich auch in zunehmendem Umfange der Lehrkörper der Univerſität nicht nur vermehrt, ſondern auch verjüngt. Zwar iſt Gießen von jeher da⸗ durch ausgezeichnet geweſen wie alle kleineren Hochſchulen, daß jüngere und anſtrebende Lehrkräfte für die Univerſität früh zeitig gewonnen werden konnten. In einem großen Staate durch läuft man die akademiſche Karriere vielfach mehr oder minder nach der Anciennität. Die Freiheit der Stellung im akademiſchen Berufe bringt es aber mit ſich, daß man dieſe langſame Auf⸗ rückungsmöglichkeit als büreaukratiſche Feſſel empfindet, zumal da der akademiſche Lehrer und Gelehrte im Höhepunkt ſeiner wiſſenſchaftlichen Produktionsfähigkeit in die verantwortlichen Stellen geſetzt ſein will. Dieſer erklärlichen Stimmung in den jüngeren Gelehrtenkreiſen gegenüber iſt der Kleinſtaat vorüber⸗ gehend vor dem größeren Staate im Vorteil. Da ältere Gelehrte von Ruf ſchon aus finanziellen Rückſichten nicht gewonnen werden können, ſo iſt er auf die jüngeren angewieſen. Privatdozenten und Extraordinarien, die er in die ordentlichen Profeſſuren beruft,