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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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erſt belehrt werden mußten, daß der Univerſitätsſenat unzu⸗ ſtändig ſei. Die Streitfrage iſt und bleibt eine private und kann unperſönlich durchgefochten werden. Über private Publi⸗ kationen meinerſeits, die in ruhiger, objektiver Form Ange legenheiten des Univerſitätslebens behandeln, hat keine Fakultät und kein Senat der Welt zu Gericht zu ſitzen. Das verſtehe ich unter Freiheit der Wiſſenſchaft.

Um noch einmal auf die ſog.Kollegialität zurück zu kommen, die manchmal nichts anderes iſt als eine große Phraſe, ſo lade ich im übrigen den Leſer ein, die im Folgenden zum Abdruck gebrachten Schriftſtücke ohne Voreingenommenheit auf Ton und Kampfesart miteinander zu vergleichen. Ich bin geſpannt, zu welchem Urteil er kommt. Wahrſcheinlich wird es ihm ſehr zweifelhaft werden, wer gegen die Grundregeln kollegialiſcher Mäßigung und parlamentariſchen Taktes mehr verſtoßen hat, ich oder Andere.

Man hat mir des Ferneren vorgeworfen, daß mein Ar⸗ tikel den akademiſchen Frieden in de Studentenſchaft ſtören könne. Ich glaube, dieſe Befürchtung iſt eine Phantaſie. Ein gelegentlicher Zeitungsartikel kann unmöglich einen ſolchen Einfluß haben. Die ſtudentiſchen Korporationen werden ſich nicht viel um ihn kümmern. Diejenigen von ihnen, die Vete⸗ rinäre ohne Reifezeugnis bisher als Vollaktive aufgenommen haben, werden das vorausſichtlich auch in Zukunft tun und diejenigen, die das bisher grundſätzlich abgelehnt haben, ändern gewiß auch dieſe Praxis in der Folge nicht. Im übrigen iſt die Frage, wie ſich eine ſtudentiſche Verbindung zuſammen⸗ ſetzt, ganz unabhängig zu betrachten von derjenigen Frage, die ich in meinem Artikel behandelt habe. Eine ſtudentiſche Korporation wird in erſter Linie ſtudentiſches Leben kultivieren, harmloſe Fröhlichkeit pflegen und Freundſchaften fürs Leben anknüpfen, und hierbei findet ganz von ſelbſt eine Art von Sozialausleſe ſtatt, die durch die größere oder geringere Gymnaſialbildung der in Frage kommenden Perſonen wahr⸗ ſcheinlich ganz zuletzt beeinflußt wird. Wenn die Studenten⸗