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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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Die theologiſche Wiſſenſchaft ſoll ihren Jüngern den Dienſt des Giftes leiſten, das gegen ſchwere Anſteckung immun macht. Und denen, die geſund ſind, leiſtet ſie auch dieſen Dienſt. Ich kann nicht nur verſichern, daß ich an diejenigen unter meinen Schülern am liebſten zurückdenke, bei denen das Gift am kräftigſten gewirkt hat, ſondern auch, daß gerade ſie ſich zu beſonders tüchtigen Dienern des Evangeliums entwickeln. Gewiß, wir haben auch kränkliche und ſchwächliche Zöglinge. Aber ich kann nicht leugnen, daß ſie mein Intereſſe nicht in dem Maße in Anſpruch nehmen. Rouſſeau meint, der Erzieher ſei kein Krankenpfleger und dürfte ſeine Zeit nicht verlieren, um unnützes Leben zu pflegen. Ganz ſo ſcharf braucht man ſich micht auszudrücken, nicht einmal zu empfinden, aber etwas Wahres iſt ſicher daran.

Hochwürdige Fakultät redet weiter von der Zugehörigkeit einzelner ihrer Glieder zu der Gießener Kirchengemeindevertretung, von der Predigttätigkeit, die manchenicht ganz ohne Erfolg übten, und der Beteiligung anderer bei gewiſſen kirchlichen Vereinen und

Veranſtaltungen. Dieſe doch mehr die äußere Seite des kirch lichen Lebens angehenden Dienſtleiſtungen beſonders hervorzu⸗

heben, war, wie wir glauben möchten, nicht notwendig. Niemand leugnet ihren Wert, aber ſie haben mit der akademiſchen Wirkſam⸗ keit der Fakultät, um die es ſich handelt, nichts zu tun.

In der Eingabe an Seine Königliche Hoheit erklärt ferner die Fakultät, ihrer Aufgabe nicht gerecht werden zu können,wenn ſie nicht den rückhaltloſen Mut der Wahrheit haben dürfe, ſondern nach kirchlichen Sorgen oder gor nach Parteiwünſchen hinüber lauſchen oder ſchielen ſolle. Darin hat ſie ohne Zweifel recht, allein ſie vergißt leider vollſtändig eine Tatſache, die allgemein be kannt iſt: ſie hat ſich bei den Vorſchlägen zur Wiederbeſetzung frei gewordener Lehrſtühle ſeit einem Menſchenalter nur zu ſehr durch die Wünſche einer einzelnenPartei oder Richtung oder Schule leiten laſſen, derjenigen nämlich, der ſie ſelber angehört. Hat ſie wielleicht im Lauf ſo vieler Jahre auch nur einen poſitiven Theo⸗ logen zur Berufung nach Gießen vorgeſchlagen? Vertritt ſie nicht bei jeder Gelegenheit einſeitig den modern⸗liberalen Standpunkt? Gehört nicht ihr Dekan, der jene Eingabe unterzeichnet hat, Herr Prof. D. Eck, als Mitglied derFreien landeskirchlichen Ver⸗ einigung an? Wie kann ſie ſich bei dieſer Sachlage als Pflegerin und Hüterin der reinen, hoch über den Parteienſtehenden Wiſſenſchaft betrachten? Ihre die anderen Anſchauungen grundſätzlich aus⸗ ſchließende Einſeitigkeit bildet ja gerade den Kernpunkt der ganzen Frage, und über dieſen Kernpunkt ſchweigt ſich die Fakultät in ihrer Eingabe trotz deren ſonſtiger Ausführlichkeit merkwürdiger⸗ weiſe völlig aus! 5

Daß auch wir für die theologiſche Wiſſenſchaft volle Be⸗ wegungsfreiheit fordern, haben wir erklärt. Wenn aber die Fakul⸗