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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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zohl der Examinanden eigen iſt. Viele von denen, die ſich dazu nicht ſtark genug fühlen, könnten ſicherlich ſpäter der Landeskirche in treuer Arbeit gute Dienſte leiſten. So müſſen ſie ſich entweder zum Studium in Gießen entſchließen oder ihrer Heimat ſchweren Herzens den Rücken kehren. An ihren Platz treten in dem letzteren Falle vielleicht Nichtheſſen, für die jene Geſetzesbeſtimmung keine Geltung hat, die, ohne ein Examen in Gießen abgelegt zu haben, eine heſſiſche Pfarrſtelle erhalten können.

Es ſind jedoch immer nur wenige, die aus dieſen Gründen von ihrem engeren Vaterlande Abſchied nehmen. Die große Mehr⸗ zahl der heſſiſchen Theologen unterwirft ſich dem Examenszwang zu Gunſten Gießens und damit zugleich der Nötigung zu einem längeren Studium daſelbſt. Man hat geſagt, ſie hätten es nicht zu bereuen, der ſchädliche Einfluß, der auf poſitiver Seite befürchtet werde, ſei nicht wahrzunehmen, der Einfluß der theologiſchen Fakultät auf die Richtung ihrer Zöglinge ſei überhaupt nur ſehr gering. Wohl iſt es wahr, daß einige wenige von dieſen es ſind die kräftigen und zu ſelbſtändigem Denken befähigten oder auch die in ihrer religiöſen Ueberzeugung ſchon gefeſtigten Naturen ſich der Einwirkung der negativen Kritik gleich anfangs zu erwehren wiſſen, und daß ſich andere, die ſich durch ſie zuerſt haben verblüffen laſſen, ſpäter infolge von Erfahrungen im Amte und beſonderen Lebensführungen wieder von ihr abwenden. Sie halten zuſammen mit der Mehrzahl der älteren Theologen, deren Studienzeit noch vor die ſ. g. Reorganiſation der theologiſchen Fakultät zu Gießen fällt, im Gegenſatze zu den Neuerungen der Modernen und Modern⸗ ſten an dem Glauben der Väter feſt. Aber ebenſo gewiß iſt es, daß weitaus die meiſten Theologen, die während des letzten Menſchen⸗ alters die Landesuniverſität verlaſſen haben, mehr oder weniger unter dem Banne der dort gepflegtenunkirchlichen Theologie ſtehen. Mögen ſie auch zum Teil in ihren Studienjahren beim vorübergehenden Beſuche einer auswärtigen Univerſität einmal einen oder den anderen poſitiven Dozenten gehört haben, ſo iſt doch dieſer Eindruck durch die überlegene Weisheit der Vertreter wahrer Wiſſenſchaft in Gießen, vor denen ſie das examen rigorosum abzulegen hatten, bald wieder verwiſcht worden. Im Verkehre mit ihren in der gleichen Weiſe vorgebildeten Altersge⸗ noſſen und häufig noch immer in Verbindung mit ihren Gießener Lehrern, haben ſie ſich den ihnen von dieſen eingeflößten echt wiſſenſchaftlichen undfreien Sinn und die Verachtung der Orthodoxie bewahrt, wie noch vor kurzem in Kundgebungen aus ihrer Mitte offenbar geworden iſt. In ſolcher Weiſe wirken ſie in Kirche und Schule und auch ſonſt im öffentlichen Leben.

Die ſchädlichen Folgen dieſer zum Teile auch aus anderen Quellen ſtammenden, aber doch namentlich von Gießen ausgehen⸗ den Geiſtesrichtung ſind natürlich in vielen Fällen mehr zu