Druckschrift 
Über die Reform der Doctorpromotion : eine academische Rede / gehalten von Dr. Adolf Philippi, Professor an der Universität Gießen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Körnchen neuer Wahrheit zu finden suchen, langweilig, pedantisch, abgeschmackt.

Dieser Begriffsverwirrung entspringt ein Haupt- einwand, welchen auch wir gelegentlich gegen die gedruckte Dissertation haben vorbringen hören. Man hält sich an das Alleräuſserlichste der Erscheinung, die hundert und aber hundert jährlich entstehenden Schriftchen, welche bei ungleicher Güte meistens recht unscheinbare Kleinigkeiten mit mehr oder weniger Gründlichkeit behandeln, und man behauptet dann: die Zeit der Doctordissertationen sei vorüber. Solche Betrachtungsweise ist in der That mehr als ober- flächlich. Und ich mache mich anheischig, auf diese Weise für jedes Ding auf der Welt zu beweisen, daſs seine Zeit vorüber ist.

Man muſs doch bei der Beurtheilung der Disser- tationenfrage zwei Gesichtspunkte strenge scheiden: den absoluten Werth der Sache und die Bedeutung derselben für den Einzelnen, den Autor, den Stu- direnden. Was den ersten Punkt betrifft, so steht es für den Kundigen fest, daſs unter der grolsen Zahl der jährlich erscheinenden Dissertationen stets solche sich befinden, die ihren Gegenstand wahrhaft fördern, die hinter den Abhandlungen sogenannter Gelehrter nicht zurückstehen, ja, sie vielfach über- treffen. Das wäre also ein Moment, welches für die Berechtigung spräche. Wichtiger noch ist das zweite: die Bedeutung der Dissertation für den Studirenden selbst. Ich erlaube mir hierauf etwas näher einzu- gehen. Jener Einwand bleibt nunmehr auf sich