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Über die Reform der Doctorpromotion : eine academische Rede / gehalten von Dr. Adolf Philippi, Professor an der Universität Gießen
Entstehung
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10.

versitäten verspotteten. Allerdings macht, für Deutsch- land wenigstens, die Reformationsepoche einen Ein- schnitt. Die Grade der Artistenfacultät waren vor- zugsweise dadurch entwerthet, dals diese Facultät zu- gleich als eine Art Vorschule für die drei sogenannten höheren Facultäten diente. Seit die neu errichteten lateinischen Schulen diesem Bedürfnisse Rechnung trugen, bekamen die philosophischen Grade wieder etwas mehr Bedeutung. Jetzt zogen es die jungen Leute vielfach vor, auf den Schulen erst etwas ordentliches zu lernen, anstatt unreif die Universitäten zu beziehen und um nichts fast gefördert Baccalaureat und Licenz der Artistenfacultät sich zu erwerben.

Die philosophische Facultät wurde wohl vieler Orten dadurch gehoben, sie bekam einen mehr fach- wissenschaftlichen Charakter. Doch es wäre voreilig, aus diesem Anzeichen auf eine wirklich vollzogene Reform auch des Promotionswesens der philosophischen Facultät schlieſsen zu wollen. Denn die Universitäts- acten gerade der letzten Jahrhunderte sind reich an Reformvorschlägen bis ins Einzelste. Sie werden also wohl nöthig gewesen sein.

Wir Menschen von heute sehen wohl aus diesen Vorgängen, daſs in vielen Punkten die Wahrnehmungen und Gedanken unserer Vorfahren von vor so und so viel hundert Jahren genau mit den unseren über- eintreffen. Aber wie wir es machen müssen, lernen wir schwerlich daraus. Der alte Meiners freilich glaubte vor 70 Jahren ein Universalmittel gegen alle Schäden des Promotionswesens seiner Zeit gefunden