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Das Eindringen der Aufklärung in der Universität Gießen / von Professor Drews
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Das Eindringen der Aufklärung in der Univerſität Gießen. 51

und ſicher ſehr begabt, aber oberflächlich und ſich vordrängend. In der Tat, das ſolide, langſame Gießen war mit einem Schlag durch die beiden Männer, Bahrdt und Schulz, zu einem Hexen⸗ keſſel geworden. Denn beide ſchloſſen fürs erſte eine enge Freundſchaft; waren ſie doch in ihrer theoretiſchen und prak tiſchen Lebensanſchauung faſt zum Verwechſeln ähnlich. Es ſcheint auch, daß Bahrdt Schulz auf bedenkliche ſittliche Wege zu bringen gewußt hat. Die Freundſchaft beider ging freilich bald in die Brüche. Es ſcheint, daß ſie wegen des genannten Predigerſeminars ausein⸗ ander kamen. Denn Bahrdt hatte den gleichen Plan wie Schulz, hoffte ebenfalls, Direktor dieſer neuen Anſtalt zu werden und dadurch einige Einnahmen mehr zu erzielen. Aber Schulz war der glück⸗ lichere in der Bewerbung, und ſo brach das Freundſchaftsverhältnis auseinander. Doch ſcheint ſich wenigſtens äußerlich die gegenſeitige Beziehung wieder hergeſtellt zu haben. In ſeinerLebensgeſchichte berichtet Bahrdt unter der Ueberſchrift:Feinde:Der Profeſſor Schulz ſchien anfangs mein Freund zu ſein, als er aber des D. Benners jüngſte Tochter, ihrer ſeltenen Fleiſchlichkeit halber, ehelichte, wurde auch dieſer anderes Sinnes und ſetzte zwar äußerlich die Freund⸗ ſchaft fort, benutzte ſie aber, mich auszuforſchen, und jedes unbehut⸗ ſame Wort dem Alten zuzutragen, und zu neuen Zänkereien Ge⸗ legenheit zu geben(II, S. 166 f.). Das iſt keine wahrheitsgetreue Darſtellung. Denn Schulz als entſchiedener Aufklärer lebte mit ſeinem orthodoxen Schwiegervater welch' ein Schickſal für dieſen, daß er einen ſo geſinnten Schwiegerſohn bekommen mußte! im geſpannteſten Verhältnis; daß aber Bahrdt ſeinerſeits Schulz' Feind war, geht nicht allein aus der erwähnten Denunziation hervor, ſondern bezeugt auch ein Gedichtchen, das er in ſeinennaturali⸗ ſtiſchen Gedichten aufProfeſſor Sch... veröffentlichte(2. Aufl. Germanien im Freyheitsthal 1792, S. 66). Es lautet:

Er ſcharrt

Mit ſeinem Schwiegervater um die Wette:

Und harrt

Und lauſcht, mit ſchwerer Stirn, bei Nettchens Bette:

Und ſucht

In Michaelis Heften ſeinen Weisheitskram zu finden

Und flucht

Und ſchilt doch auf des Ritters exegetſche Sünden.

Dies Gedicht iſt gleich bezeichnend für Bahrdt wie für Schulz. Daß Schulz eine ſtarke Neigung fürs Geld hatte, iſt auch ſonſt be⸗ ſtätigt. So fing er 1785, als er bereits zu der hohen Würde eines

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