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Kaum hatte ich zwei Jahr erreicht, da muste ich wieder nach Hause reisen, und wurden meine Studien gantz interrumpiret. Mein zweyter Bruder kam von Königsberg auss Preussen, der beredete meinen Vater, dass ich solte mit ihm ziehen auff Königsberg, ich könte daselbst mena- giren. Wie wir biss Lübeck kamen, hiess es, unsere Mittel wären nicht zulänglich, wir müsten uns separiren und einer von uns auff Stockholm gehen. Ich sahe wohl, dass mit dem Bruder nicht fort kommen könte, so setzte ich mich zu Schiffe, und reiste nach Stockholm und liess den Bruder nach Preussen ziehen. Zu Stockholm kam zwar glücklich an, ge- riet aber in grosse Versuchung, weil mein Geld verzehret war. Ich sahe kein ander Mittel, alss Soldat zu werden, meldtet mich an bey dem Offi- cier, stelte es aber meinem Gott heim, weil ich gar keine Lust dazu hatte, und rieff denselben an. Mitten unter meinem Gebet und Thränen klopfete eine Magd an. Ich sprang auff und machte die Thür auff. Die sagte, es wären 3 teutsche Studenten vor der Thür, die wolten mich sprechen. Ich gehe zu ihnen, sie sagten, sie hetten sich auff das äusserste bemüht, mir eine Condition auffzumachen, es were auss der Zeit, es were schon alles besetzet. Es were wohl etwas offen bey einem Kauffman, die were aber schlecht. Ich melde mich bey demselben an, und nahm mit 20 Rtl. bey demselben vorlieb, liess mich aber noch andere Kinder bey demselben annehmen*), dass es 70 Rtl. aussmachte. Nach verlauffenem Jahr bekam eine bessere Condition bey einem Königlichen Bedienten, da wurde ich besser tractirt. Weil das Frantzösche unter den Schweden sehr beliebet ist, legte mich auff dasselbe mit gantzem Fleiss, umb desto besser in der Welt fortzukommen, welches auch nach der Zeit eingetroffen. Ich ward bekandt mit einigen Engelländern, welche ich in der teutschen Sprach informirte, unter andern mit einem engelischen Secretair, der auch Pre- diger bey dem engelischen Envoyé; selbigen informirte ich in der Hebräi- schen Sprach, der mir meine Mühe wohl belohnete. Mich lange in Stock- holm auffzuhalten, war meines Thuns nicht, besuchte die Universitet Upsala s), befand dass die Universitet mit tüchtigen Leuten besetzet war, mehrentheils mit Cartesianern. Sie gaben mir frey, die teutsche Sprache zu profitiren, worinn ich auch reüssirte, weil ich auch die schwedische Sprach konte, zeigte ihnen worinn cardo linguae bestehet, ohne deutscher**) können die Schweden nicht wohl fortkommen. Ich sammelte mir ein
*) So steht, incorrect, aber verständlich, in der Hs.
**) So deutlich in der Hs., im Sinne von„ohne deutsche Sprache“, nach der alt- üblichen Verbindung der Präposition ohne mit dem Dativ.


