Druckschrift 
Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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dann aber in der Anmerkung notiert worden. Nur das glaubte ich bei einem Schriftstücke, dessen Hauptinteresse nicht auf der sprachlichen Seite liegt, mir erlauben zu dürfen, dass ich in der Schreibweise eine grössere Gleichmässigkeit herstellte. So habe ich die Hauptwörter, welche in der Handschrift öfter klein geschrieben sind, sämmtlich mit grossen Anfangs- buchstaben geschrieben; zusammengesetzte Substantive, deren beide Be- standtheile die Handschrift zuweilen als selbständige Wörter einfach neben- einander stellt, stets zu éinem Worte verbunden; bei Eigennamen die anderweit als richtig beglaubigte Schreibung festgehalten(die Handschrift hat Ezard neben dem unrichtigen, aber vielgebrauchten Edzardi, ebenso Weymar neben dem richtigen Weimar, Ahlfeld neben Alefeld); auch bei dem Wortehebräisch diese damals schon herrschende Schreibweise durch- geführt. Während ferner Fremdwörter, auch wenn sie deutsch flectiert sind, in der in gewöhnlicher deutscher Cursivschrift verfassten Handschrift durch lateinische Buchstaben kenntlich gemacht sind, habe ich nur die aus dem Lateinischen in ihrer ursprünglichen Form einfach herüberge- nommenen Wörter und Redensarten durch Cursivschrift ausgezeichnet, bei den germanisierten Fremdwörtern aber und bei eingebürgerten Kunstaus- drücken und Titulaturen, auch wenn sie die Flexion der fremden Sprache beibehalten, diese Auszeichnung unterlassen. Endlich habe ich mir der Deutlichkeit wegen in Bezug auf die Interpunction und auf die Bestim- mung der Absätze im Druck ein selbständigeres Verfahren gestattet.

Der Handschrift der Selbstbiographie ist eine in demselben Format, aber von anderer Hand geschriebene kurze Lebensbeschreibung Kempffers beigelegt. Was diese am Anfange über seine Geburt, am Schlusse über seinen Tod sagt, ist richtig und genau und sieht sich wie ein Auszug aus einem Kirchenbuche an. Dazwischen aber findet sich manches Bedenkliche. So weiss nur der Verfasser dieser Lebensbeschrei- bung davon zu berichten, dass Kempffer vor seiner Uebersiedelung von Hamburg nach Leipzigetwa ein Jahr in Kiel und Rostock gelesen habe. An sich wäre es ja, zumal bei der Lebendigkeit und Leichtigkeit des Verkehrs zwischen der Hansestadt und den beiden ihr am nächsten ge- legenen Universitäten, ganz wohl denkbar, dass Kempffer von dort aus eine Zeit lang an diesen als Lehrer sich versucht hätte. Hatte doch der famose Johann Friedrich Mayer um dieselbe Zeit, in welcher Kempffer in Hamburg sich aufhielt, als Hauptpastor zu St. Jakobi daselbst es möglich gemacht, zugleich als Honorarprofessor zu Kiel von Zeit zu Zeit an dieser Universität eine Vorlesung zu halten, wozu dann auch Studenten aus Rostock sich einzufinden pflegten; allerdings nur mit Hilfe seines eigenen