verſammlung und der daran ſich ſchließenden Aus— ſchußberathungen zu finden iſt, wird nur ein einziger Gießener Student als Theilnehmer namentlich an— geführt. Einstud. cam. Leiſtner gehörte zu den in den Ausſchuß gewählten Deputirten. Das würde nicht ausſchließen, daß in der großen Verſammlung ſelbſt noch andere Gießener, und darunter auch Corpsſtudenten, hätten anweſend ſein können. In der Geſchichte der Gießener Starkenburgia wird auch angegeben, daß die Congreſſe zu Eiſenach und auf der Wartburg Seitens des 8C. beſchickt worden ſeien. Doch ſcheint das eine bloße Vermuthung zu ſein. Die SC.-Protokolle laſſen nicht auf eine perſönliche Betheiligung des SC. an dem Studentenparlamente ſchließen. In der Sitzung vom 17. Juni 1848, dem Samſtag nach Pfingſten, wurde beſchloſſen, im Laufe der darauffolgenden Woche eine allgemeine Studwhewerſammlung abzuhalten,„in der auch die Wartburg⸗Angelegenheit zur Sprache kommen ſoll“. Im Protokoll der nächſten, am 24. Juni abgehaljenen Sitzung findet ſich die Notiz:„Die Berufung der im vorigen SCpP beſchloſſenen Studentenverſammluns ſoll bis auf Weiteres verſchoben werden, beſonders bis nähere Erkundigungen und Machrichten über die VPerſammlung auf der Wartburg eingezogen ſind.“ Die Kaſſung dieſes Eintrages legt doch die Ver⸗ muthung nahe, daß über Verlauf und Ergebniß der Pfingſtverſammlung nicht die Berichte eigener Delegirten vorlagen, ſondern daß man ſich darüber auf mittelbarem Wege verläſſigen mußte. Jedenfalls aber hatten die angeſtellten Ermitte⸗ lungen die Wirkung, daß der 8C. dem Geiſte der Zeit, wie er auf der Wartburg zum Ausdruck ge⸗ kommen war, Rechnung zu tragen beſchloß. Es bedarf keines beſonderen Beweiſes dafür, daß die oben angeführte Reihe von Beſchlüſſen durch jenen Vorgang erzeugt, zum mindeſten mit erzeugt worden iſt. Sie ſind um deswillen beſonders intereſſant, als ſie einen Verſuch darſtellen, das Alte mit dem Neuen zu vermitteln und in dem beſtehenden 86C. den Studentenausſchuß herzuſtellen, deſſen Schaffung von der Eiſenacher Repräſentantenverſammlung ver⸗ langt worden war. Sicherlich verhehlte man ſich bei der Faſſung jener Beſchlüſſe aber doch nicht, daß es ſich dabei nur um ein Experiment handelte, und zwar um eines, deſſen Gelingen ſehr in Frage ſtand. Denn parallel mit ihnen läuft noch eine weitere Action, durch die der 86C. ſich mit der übrigen Studentenſchaft in Fühlung zu ſetzen und einen Einfluß auf den Gang der Dinge zu ſichern trachtete. Als nämlich außerhalb ſeines reiſes die Durchführung der Wartburgbeſchlüſſe in Angriff
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genommen wurde, beſchloß er, daran ſich gleichfalls zu betheiligen. In der Sitzung vom 8. Juli wurde zunächſt den einzelnen Corpsconventen aufgegeben, ihre Anſchauungen über den Wirkungskreis, welcher der allgemeinen Studentenſchaft zukommen ſolle, zu formuliren. Drei Wochen ſpäter, am 28. Juli, verſtändigte man ſich über die Perſönlichkeiten, die man der Studentenverſammlung als Mitglieder des zu ernennenden Studentenausſchuſſes— deſſen Con— ſtituirung alſo doch beſchloſſen worden war— vor⸗ ſchlagen wollte. Ein ſolcher Ausſchuß war ſchon zwei Jahre vorher einmal, gelegentlich des Aus⸗ zuges von 1[846, ad hoc gebildet worden. Auch nach der Beilegung der damaligen Wirren hatte man ihn noch eine Weile weiter functioniren laſſen; ſchließlich war er aber doch eingeſchlafen. Nun wurde er auf's Neue zum Leben erweckt und ſollte fortan eine ſtändige Burſchenbehörde neben dem 8C. bleiben. Der SC. ſchlug als Mitglieder des ſieben⸗ köpfigen Collegiums vier Corpsſtudenten, von jedem der vier beſtehenden Corps einen Vertreter, und drei Wichtcorpsſtudenten vor. In dieſelbe Linie von Beſchlüſſen gehört auch die am 17. Auguſt erfolgte Nominirung von fünf Ver⸗ tretern für die Sitzungen des Geſammtausſchuſſes der deutſchen Studentenſchaft. Dieſer ſollte nach den Pfinsſt⸗ beſchlüſſen am 25. Auguſt 1848 erſtmals in Eiſenach tagen. Als der Zuſammentritt erfolgte, war freilich die Organiſation, deren oberſte Spitze darzuſtellen er berufen war, ſchon im Proceß der Zerſetzung begriffen. Das draſtiſchſte Zeugniß dieſer Thatſache war der Umſtand, daß in Jena von wo die An⸗
regung zu der Neugeſtaltung der Burſchenwelt aus⸗
gegangen war, die Studentenſchaft durch Mehrheits⸗ beſchluß die Beſchickung des Eiſenacher Congreſſes ablehnte, ja vor deſſen Conſtituirung ſich als organiſirte Corporation auflöſte. In Gießen ſelbſt hielt es ein wenig länger. Am Anfang des Winter⸗Semeſters 1848/49 wurde noch einmal eine Wahl zum Studentenausſchuß vorgenommen; dann aber ging er den Weg, den ſein Vorgänger von [846 gewandelt war.
9.
Die Mittelſtellung, die der Gießener 86C. gegen⸗ über den wirren und verwirrenden Ereigniſſen der Zeit einzunehmen beſtrebt war, entſchied auch für ſeine Theilnahme an einem Unternehmen, das in gewiſſem Sinne als Contrechoc auf den großen Choc von der Wartburg angeſehen werden kann. Dier Wochen nach der allgemeinen Studentenverſamemlung trat in Jena ein Congreß deutſcher Corpsſtudanten
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