Druckschrift 
Eine Deposition im 17. Jahrhundert : zur Erinnerung an das Gießener Universitäts-Jubiläum 1907 / nach gleichzeitigen Quellen bearbeitet von Dr. Fabricius
Entstehung
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(Zum 1. Bean) Du ſchreibe mir fein auf, wie Du heißeſt und wo Du auf der Bachantenherberge geweſen, damit ich ſehe, ob Du in der edlen Kunſt des Schreibens wohl erfahren ſeieſt.

Bean(bemüht ſich vergebens, das Cintenfaß zu öffnen, da es maſſiv iſt).

Depoſitor(ſchlägt ihm auf die Hände): Ei ſehet mir doch dieſen kahlen Pocher und Schnarcher! Kommt hierher, will ein Student werden und läſſet ſich Buhlenbrieflein ſchreiben und kann noch nicht ein Tintenfaß aufmachen!

(Zu allen): An euch iſt noch nicht viel Gebratens, ihr ſeid noch rechte Bachanten und grobe Püffel; ich werde viel Fleiß gebrauchen müſſen, euch zu rechten Menſchen und Studenten zu machen, damit ihr nicht ins Studiren plumbet wie der Bauer in die Stiefel.

[Die Landsleute hängen unterdeſſen dem erſten Bachanten den Schülerkittel und Bachantenſack um.]

Depoſitor(ieht beides ab): Wenn Du den Schülerſack und das Bachantenkleid Haſt abgelegt, ſo folgt alsdann viel Luſt und Freud.

(Zu allen): Hiebei gedenket, daß ihr euch eurer vorigen Bachantenpoſſen entſchlaget und hinfüro einer ehrbaren Tracht und Kleidung befleißiget. Ihr ſollet nicht ſtutzen und braviren wie die leimſtengleriſchen cochleatores oder Löffler, ſondern als ehrliche Purſche einhertretten.

[Dem 2. Bachanten werden inzwiſchen Hobelſpäne ins Haar gerieben. Einer der Landsleute bringt den Stuhl, der Bachant wird daraufgeſetzt. Dieſe wie die folgenden Prozeduren werden ſcheinbar grob und unſanft vorgenommen, die Bachanten geben Zeichen des Schmerzes, rufen bisweilen Au!, wofür ſie mit der Pritſche geſchlagen werden; der Depoſitor macht dazu Bemerkungen, wie:Der ſchreit wie ein Theriakskrämer oder wie ein Zahnbrecher u. dgl. 5wiſchenfälle, wie Umkippen des Stuhles u. dgl. Alles muß recht lebhaft und munter vor ſich gehen.

Dep oſitor(kommt mit der Scheere und ſchneidet dem Bean das Haar; der Kamm wird ihm gebracht, mit dem er derb kämmt)

Weil Du kannſt mancher Haar, Du Zottelbock, entbehren, Drum muß zur Ehrbarkeit ich Deinen Kopf beſcheeren.

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