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Eine Deposition im 17. Jahrhundert : zur Erinnerung an das Gießener Universitäts-Jubiläum 1907 / nach gleichzeitigen Quellen bearbeitet von Dr. Fabricius
Entstehung
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ſtehenden Bachanten hierher in die hochberühmte Stadt Gießen gekommen, um ſich auf der hohen Schule allda des Studirens zu befleißigen, als bitte ich im Ramen der hier verſammleten Landsleute, Euer Geſtrengen wollen die Beane deponiren laſſen, vom Beanismo abſolviren und als rechte Studenten erklären.

Dekan: Eurem Anſuchen ſoll billig willfahret werden, doch zuvor gebet mir die Namen derer Bachanten.

Senior(lieſt die Namen von einem Zettel ab, den er alsdann dem Dekan übergibt):

Nomina sunt:

Melchior Diehm, Lauterbacensis, Hassus Wilhelmus Conradus Henkelius, Gissensis Johannes Jacobus Crato, Wetaæflariensis Johannes Petrus Debus, Darmbstadinus Philippus Conradus Fabricius, Ebstorfensis.

Dekan: So übergebe und überantworte ich in Eure Hände, Herr Depoſitor, gegenwärtige Bachanten, daß Ihr durch den uralten Ritum depositionis an ihnen die groben Knoten, Spähne und Klötzer wohl abhauen, abhobeln und abſtoßen wollet. Ihr aber, Ihr Bachanten, faſſet einen friſchen Mut und denket, daß ſolches Werk alle Studenten vor Euch gelitten und nach Euch leiden werden.

(Nun beginnt die Depoſition. Die Profeſſoren und die nicht müttätigen Landsleute ſehen dem Akt zu, heiter, bisweilen mit einander plaudernd, bei den Späßen des Depoſitors ge⸗ legentlich auflachend ꝛc. Der Dekan füllt während der Zeit die Depoſitionsſcheine aus.]

D e pPO ſ j tor(während des ganzen Aktes ſehr lebhaft und mobil. Er nimmt die Pritſche zur Hand, die er im Folgenden fleißig gebraucht. Er ſtellt ſich etwa in die Mitte der Bühne und ruft):

Kommt Bachanten, trett' herbei, merkt was abzulegen ſei, Ich will euch auf euer Feſt deponiren auf das Beſt.

[Die Bachanten ſtellen ſich im Kreis um ihn her. Der Depoſitor betrachtet ſie der Reihe nach ſpöttiſch, neckt ſie mit Worten und Geberden]:

Ach wie feine Herren und alamodische Cavaliers hat uns der Himmel hierhergeſendet und beſcheeret!

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