Gener alversammlung zu Giessen.
Eröffnungsrede, gehalten
von dem Präsidenten der orientalischen Section der XXXVIII. Philologenversammlung
PrOf. Dr. B. Stade am 30. Sept 1885.
Hochgeehrte Herren!
Da seit Vullers Tode eine Professur der orientalischen Sprachen an der Landesuniversität nicht mehr besteht, so ist mir, dem a. t. Theologen, die Aufgabe zugefallen, die diesjährige Versamm- lung der orientalischen Section vorzubereiten, und die damit ver- bundene Ehre, Sie in unserer alten Universitätsstadt willkommen zu heissen.
Giessen ist nun kein Ort, an welchem sich jemals eine die orien- talische Wissenschaft in neue Bahnen lenkende Schule gebildet oder auch nur befunden hätte, wiewohl Namen von gutem Klang von Alters her bis in die Neuzeit mit ihr verbunden gewesen sind. Ich nenne nur Abraham Hinckelmann, den ersten Herausgeber des Koran, welcher unserer Universität als ordentlicher Honorar- professor der Theologie angehört hat, Schulz, den seinen Studien im Orient zum Opfer gefallenen Forscher, und L. Diefenbach, eines der universellsten Sprachgenies, welche] beide hier ihren Unter- richt empfangen haben. In neuerer Zeit aber hat hier Vullers emsig persische Studien gepflegt.
Dass jedoch die orientalischen Studien niemals auf die Dauer in besonders hervorstechender Weise hier betrieben worden sind, ist weder etwas Zufälliges noch etwas Verwunderliches.
Zweierlei Vorbedingungen haben in Europa das Entstehen eines rein gelehrten Interesses an den Völkern des Orients, an ihren
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