Ruhlands auch darin, daß er im Mai 1890„für die Bei⸗ behaltung des Fünfmarkzolles eingetreten iſt“. Das könne nur„ſeinem Auftraggeber Bismarck zu Liebe geſchehen ſein“(in deſſen Auftrage Ruhland die zwei⸗ jährige Studienreiſe in die Getreideproduktionsländer ge⸗ macht hatte). Gutachter und Richter haben alſo vergeſſen, daß im Mai 1890 Bismarck längſt nicht mehr am Staats⸗ ruder war und daß mit der Verteidigung der Bismarck⸗ ſchen Wirtſchaftspolitik damals beim„Neuen Kurſe“ weder Ehre noch Geld zu verdienen war!
2. Biermer, die Gutachter und das Gerichtsurteil finden, daß Ruhland im Jahre 1894 den Dozentenſtuhl in Zürich nur beſtiegen und ebenſo 1898 die Profeſſur in Freiburg nur angenommen habe, um:„für ſeine ſpätere Haupt⸗ tätigkeit im Bunde der Landwirte ſich ein wiſſenſchaftliches Relief zu ſchaffen“.
Dabei war, wie die oben zitierte Korreſpondenz be⸗ weiſt, Ruhland ſchon Dozent in Zürich, als der Antrag des Bundes überhaupt an ihn erging! Und er war aus dem feſten Bundes⸗Engagement ſchon ausgetreten, als er 1898 als Profeſſor nach Freiburg ging. Er blieb dort drei Jahre und trat erſt 1901 wieder in feſtere Beziehungen zum Bunde!
3. Es wird ihm im AUrteil vorgeworfen, daß er„mit dem Zentrum geliebäugelt habe“. Warum? Weil er— in einer katholiſchen Speſſartgemeinde als Sohn des ein⸗ zigen damals dort vorhanden geweſenen evangeliſchen Wirtes geboren— naturgemäß einem Dutzend kotholiſchen Schulkameraden und ſpäteren Studiengenoſſen befreundet war und blieb, mit denen er(z. B. Dr. Ratzinger, Dr. Heim u. a.) vielfach agrarpolitiſche Beziehungen unterhielt.
4. Das Urteil wirft(ebenfalls den Gutachtern folgend) ihm mit beſonderer Schärfe vor, daß er 1894 eine Broſchüre „Die Wirtſchaftspolitik des Vaterunſers“ geſchrieben hat, worin die vierte Bitte„Unſer täglich Brot gib uns heute“ als der Inbegriff der Mittelſtandspolitik dargeſtellt, die Wirtſchafts⸗ und Sozialpolitik der Alten Kirchenväter ge⸗ rühmt und— für die katholiſche Kirche— die wirt⸗ ſchaftliche Sittenlehre Roms als maßgeblich erklärt wird.
Dieſe Broſchüre iſt ſeiner Zeit von der„Kreuzzeitung“, vom„Reichsboten“, und von Stöckers„Volk“(es genügt, dieſe drei evangeliſchen Blätter zu nennen) rühmlichſt be⸗ ſprochen worden. Biermer aber und die„Gutachter“ und


