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Ruhland, Köhler-Langsdorf & Co. : eine Streitschrift / von Dr. jur. et phil. Magnus Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen
Entstehung
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verſchiedenſten Richtungen und Schattierungen, die gelegentlich zu den lebhafteſten Auseinanderſetzungen geführt haben. Ich nenne nur die Namen Schmoller und Wagner, Conrad und Sering, Brentano und Guſtav Cohn; faſt jeder dieſer Gelehrten bedeutet ein anderes Programm bezw. eine andere Lehr⸗ meinung. Nur in einem Punkte iſt glücklicher Weiſe das nationalökonomiſche Gelehrtentum auf den deutſchen Hoch ſchulen einig geblieben: nämlich in dem Punkte, daß wir grundſätzlich es weit von der Hand weiſen, einſeitige wirtſchaft liche und ſozialpolitiſche Intereſſen, die wir mit der Geſamt⸗ wohlfahrt der Nation für unvereinbar halten, zu vertreten. Ein nationalökonomiſcher Lehrer, der das tut, ſchändet ſich und ſeine Wiſſenſchaft und hat keinen Anſpruch, einen Lehr⸗ ſtuhl einzunehmen, von dem aus er künftige Staatsbeamte und Staatsbürger ausbilden ſoll. Zu dieſen Pſeudogelehrten gehört aber nach übereinſtimmendem Urteil wohl der meiſten meiner Fachkollegen der vielſchreibende Herr Profeſſor Ruhland, ganz abgeſehen von ſeinen moraliſchen Qualifikationen, über die ich mich aber nicht näher auslaſſen kann, die aber allein hinreichten, ihn als akademiſchen Lehrer an einer deutſchen Univerſität dem geſellſchaftlichen Boykott ausgeſetzt zu haben.

Wenn ich eben zugegeben habe, daß das Berufungsweſen an den deutſchen Univerſitäten hier und da auch unzweifelhafte Schattenſeiten aufweiſt, wie eben jede menſchliche Inſtitution, ſo ſpricht doch das hohe Anſehen, das die deutſchen Univerſi⸗ täten ſich in der ganzen Kulturwelt errungen haben, direkt gegen die maßloſe Kritik, die gelegentlich von ſolchen Leuten an unſerer Univerſitätsorganiſation geübt wird, die entweder nichts von der Sache verſtehen oder die aus guten Gründen in der Hochſchulkarriere nicht vorwärtsgekommen ſind und nur aus dieſem Grunde die Inſtitution verdächtigen und in den Schmutz zu ziehen ſuchen. Zugelaſſen in den Lehrplan dürfen nur wiſſenſchaftliche Richtungen werden. Hier iſt freilich eine unbefangene Weitherzigkeit ſehr wohl am Platze. Wiſſen⸗ ſchaftlich iſt aber die Richtung Ruhlands und Köhlers nie