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den Univerſitäten grundſätzlich eintreten zu wollen, inſzeniert man einen Konkursausverkauf, in dem man einen agrar— politiſchen Publiziſten, den man ſchon zu lange auf Lager hat, den aber keine andere Reichsuniverſität wegen ſeiner notoriſchen Geſinnungs⸗ und Charakterloſigkeit auch nur zur Habilitation als Privatdozenten zulaſſen würde, dem heſſiſchen Staate als Ordinarius„50 Prozent unter dem Selbſtkoſtenpreis“ offeriert. Wenn ſich ein Nationalökonom, überhaupt ein Gelehrter, zu einem ſolchen verwegenen Manöver hergiebt, ſo richtet er ſich in den Augen aller anſtändig denkenden Menſchen ganz von ſelbſt. Es muß wahrhaftig mit Herrn Ruhland weit gekommen ſein, wenn er ſich auf ſolche Schleichwege begeben muß und keinen ernſteren Politiker für die Vertretung ſeiner Privat⸗ wünſche findet, als den ſattſam bekannten Abgeordneten Herrn Köhler⸗Langsdorf, von dem man, wie bei Kleiſts Dorfrichter Adam, ſagen darf, daß bei ihm„Wiſſenſchaft und Irrtum geknetet, innig wie ein feſter Teig zuſammen“ ſeien. Ich halte heutzutage Alles für möglich, beſonders bei den ſog.„Volks⸗ vertretungen“. Aber dasjenige Parlament möchte ich denn doch ſehen, das auf einen Vorſtoß von ſo täppiſcher und dreiſter Art hereinfällt.—
Ich habe ſchon früher feſtgeſtellt, daß der Gedanke, Pro⸗ feſſor Ruhland auf einen Lehrſtuhl der Landesuniverſität zu lanzieren, nicht nur in dem Wunſche gipfelt, eine einſeitige Intereſſentengruppe intranſigenter Art mit einer Profeſſur, die politiſch im verwegenſten Sinne des Wortes iſt, zu be⸗ denken, ſondern daß der Antrag Köhler⸗Langsdorf zugeſtutzt iſt auf einen ganz beſtimmten Kandidaten, für den ſich jede andere Univerſität höflichſt bedanken würde. Angeſichts dieſer Tatſache wagt es Herr Ruhland, den Herrn Profeſſor Schmoller, der angeblich in einſeitiger Weiſe bei der Neubeſetzung national⸗ ökonomiſcher Lehrſtühle für ſeine Schüler eintritt, auf eine Stufe mit Herrn Köhler⸗Langsdorf zu ſtellen. Die hiſtoriſche Schule Schmoller'ſcher Obſervanz, der die deutſche Wiſſenſchaft die hervorragendſten Leiſtungen auf Wirtſchafts⸗ und kultur⸗


