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Sozialpolitik, dem faſt alle deutſchen Profeſſoren für National⸗ ökonomie angehören, die Kandidaten für die zu erwartenden Vakanzen im Voraus beſtimmt werden, ſodaß Jeder weiß, wer eintretenden Falles an die Reihe kommt. In ausdrück— licher Bezugnahme auf dieſen unhaltbaren einſeitigen Zuſtand hat damals der preußiſche Kultusminiſter mehrere Profeſſoren für Nationalökonomie auf preußiſche Univerſitäten berufen, welche gegenüber dem herrſchenden Kathederſozialismus den Intereſſenſtandpunkt der großen induſtriellen Unternehmer ver⸗ treten. Um endlich auch der agrariſchen Richtung zu ihrem Rechte zu verhelfen, hat dann Frhr. von Wangenheim am 6. März 1901 im Preußiſchen Abgeordnetenhauſe eine Inter⸗ pellation über die Beſetzung der Lehrſtühle für Nationalöko⸗ nomie eingebracht, worauf der Miniſterialdirektor im preußiſchen Kultusminiſterium Dr. Althoff ſofort geantwortet hat, daß auch dieſem Wunſche gegenüber die Staatsregierung nach dem Grundſatz handeln werde, die Lehrſtühle an den Univerſitäten den verſchiedenen Richtungen in der Wiſſenſchaft zu geben. Das Mitwirkungsrecht der Volksvertretung bei der Beſetzung von Profeſſuren für Nationalökonomie iſt alſo von dem größten deutſchen Bundesſtaate ſowohl für Vertreter der großinduſtriellen wie der agrariſchen Richtung ausdrücklich anerkannt worden. Sollte die Ausübung des gleichen Rechtes in Sachen der Uni⸗ verſität Gießen nun ganz unzuläſſig ſein?
Aber— und das iſt der eigentliche Inhalt des zweiten Teiles der eben zitierten gegneriſchen Ausführungen— wozu die Kandidatur des Prof. Ruhland durch die Partei des Köhler⸗Langsdorf unterſtützen, wenn Prof. Biermer der beſſere Schutzzöllner iſt? Die Antwort darauf iſt leicht zu finden.
Zunächſt giebt der gleiche Artikel zu, daß Schutzzoll oder Freihandel heute keine wiſſenſchaftlichen Prinzipienfragen mehr ſind. Der Reichskanzler Fürſt Bismarck hat im öffentlichen Parlament erklärt:„Ich weiß ſehr wohl, daß mit Schutzzöllen allein der deutſche Bauer nicht erhalten wird, aber ich habe bis jetzt noch Niemand gefunden, der mir beſſere Mittel hätte


