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Ruhland, Köhler-Langsdorf & Co. : eine Streitschrift / von Dr. jur. et phil. Magnus Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen
Entstehung
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Dieſelbe hiſtoriſche Schule, die früher für den gemäßigten Protektionismus in Verbindung mit der Arbeiterſchutzgeſetz gebung plaidiert hat, wehrt ſich jetzt allerdings mit Entſchieden heit gegen libertreibungen agrariſcher Forderungen, lehnt aber einen gemäßigten Agrarzoll, der mit dem Abſchluß von Han delsverträgen vereinbar iſt, nicht grundſätzlich ab. Gerade mit Rückſicht darauf, daß die hiſtoriſche Schule, ſo arbeiterfreund lich ihr Programm auch iſt, nicht radikalsfreihändleriſch ſein lann, verdankt ſie die Angriffe der Sozialdemokratie, die die ländliche Bevölkerung proletariſieren will, um ſie ſozialiſtiſch zu machen. Die deutſche Nationalökonomie muß alſo nach zwei Fronten kämpfen, und zwar mit gleicher Schärfe. Sie bekämpft die deſtruktiven Beſtrebungen der Sozialdemokratie und ihre Freihandelsargumente, deren Hervorkehrung übrigens bei den wiſſenſchaftlichen Köpfen dieſer Partei nur noch in recht verſchämter Form vorkommt. Die deutſche national ökonomiſche Schule bekämpft aber auch andererſeits das ein ſeitige Agrariertum und ſeine Handels⸗ und Induſtriefeindlich keit mit allen literariſchen Waffen, die ihr zu Gebote ſtehen. Was ſie handelspolitiſch will, ſind verſtändige, langfriſtige Handelsverträge, die Zollkriege mit ihren verheerenden Wir kungen vermeiden und langſam zu einer zollpolitiſchen Ab⸗ rüſtung der Welthandelsſtaaten überleiten. Der jetzt durch gepeitſchte Zolltarif mit ſeinen unrationellen Minimal⸗ und Maximalſätzen und ſeinemlückenloſen Tarif erſcheint ihr als Grundlage für ſolche völkerrechtliche Verträge, die endlich

geſprochen, und hat, wie unter Anderem ſein bekannter Aufſatz über die Geſchichtlich geſellſchaftlichen Grundlagen der Ethik im Schmoller'ſchen Jahrbuche(1882), wo er nachzuweiſen ſucht, daß das Individuum nicht Prinzipe und Zweckſubjekt des Sittlichen ſein könne, beweiſt, mannigfaltige Berührungspunkte mit der neuhiſtoviſchen Schmollev'ſchen Schule gefunden. Als Schüler Ihevrings habe ich ſtets den Eindruck gehabt, daß man den Rechtsphiloſophen Ihering als einen derjenigen Juriſten auffaſſen dürſe, der in ſeinen grundlegenden Anſchauungen der führenden deutſchen Nationalökonomie ſo nahe ſtehe, wie kaum ein Anderer.