Druckschrift 
Ruhland, Köhler-Langsdorf & Co. : eine Streitschrift / von Dr. jur. et phil. Magnus Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Ich gebe den theoretisch gewonnenen Sats von der Wechselwirkung zwischen Rente und Kapitalwert nicht auf. Ich glaube nur, dass die Nutsanwendung in unserem Falle nur mit äusserster Vorsicht gesogen werden darf. Bei einer mässigen Erhöhung des Getreidesolles versagt wahrscheinlich die theoretische Regel. Bei einem Sats von. 7.50

wirbt sie dagegen unzweifelhaft in voller Kraft.

Ganz anders iſt der Standpunkt des Herrn Profeſſor Dr. Ruhland. Dieſer Herr hat 1894 einenLeitfaden zur Ein⸗ führung in das Studium der Agrarpolitik herausgegeben. Auf Seite 28 desſelben behandelt Herr Ruhland die Getreidezoll⸗ frage mit folgenden Worten:

In der Hauptsache verbleiben uns jene Massregeln, welche auf eine Steigerung des landwirtschaftlichen Einbommens absielen: sei es durch Steigerung der Produkbtenpreise mittelst Schutssoll und Dophel- wälnung, sei es durch Minderung der Lasten mittelst Steuernachlässe und Verbilligung des Kredits.

Nehmen wir nun wirblich einmal an, dass sich all' diese Forde- rungen im Einzelnen als berechtigt begründen liessen und dass sie von Seiten der gesetsgebenden Körperschaften sur Annahine gelangten, was wäre damit erreichto Zunächst natürlich eine entsprechende Steigerung des landoirtschaftlichen Einfommens. Und nachher? Nun, alle Welt weiss es ja eigentlich. Man misst den Vorteil einer jeden einselnen landwirtschaftlichen Massnahme gans allgemein an dem Einfluss auf die Preissteigerung der Grundstiche, m. a. W., jeder Zuwachs am Einkommen der Landoirte erhöht in dem entsprechenden Masse den Grundbreis. Und da nach dem übereinstimmenden Urteil sämitlicher landwirtschaftlichen Erhebungen mit dem Grundhbreis mindestens gleich mässie fortschreitend die Verschuldung wächst, ist die letste Wirbung all dieser einhommiensteigernden Massregeln eine entsprechende Erhöhnung der Schuldenlast des landwirtschaftlichen Besitses. Wir sind also vor- autssichtlich in der nächsten Generation genau so weit, wie heute. Und wenn die Schulssöllner Bonseguent sein wollen, so müssen sie dann

eine abermalige verstärbte Auflage ihrer Miltel fordern. ISt auch